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Mit dem Schiff nach Island 3.1.19

Il ChapĂŒtschin 3'387m ĂŒ. M.
Il ChapĂŒtschin 26.8.18
9. Dezember 2018
La Moungia 3'414m ĂŒ. M.
La Muongia 27.08.18
27. Januar 2019

Mit zu viel GepÀck und grossen Erwartungen starte ich meine Reise. Erstes Ziel Island. In den hohen Norden möchte ich aber nicht fliegen sondern per Zug und Schiff reisen. Das klappt hervorragend. Nach 110 erlebnisreichen Stunden erreiche ich mein neues Zuhause.

Abschied von Daheim

Am 3. Januar 2019 ist es endlich soweit, meine grosse Reise beginnt. Seit mehr als zwei Jahren spiele ich mit dem Gedanken, eines Tages zu einer langen Reise aufzubrechen. Nun ist es Tatsache und plötzlich doch etwas frĂŒh. Ich konnte den Winter in der Schweiz gar nicht voll geniessen und auch die Festtage im Kreise der Familie waren viel zu schnell vorbei. Doch nun gibt es kein ZurĂŒck. Die Zugtickets sind gekauft und auch auf dem Schiff ist eine Kabine fĂŒr mich reserviert. Ich verabschiede mich von meinen Eltern, es ist etwas ungewiss, wie lange ich sie nicht mehr sehen werde. Hoffentlich treffen wir uns im Sommer in Alaska wieder. Weil mein Zug morgen ab ZĂŒrich schon so frĂŒh los fĂ€hrt, darf ich mit Hanni und Manuel bis nach Uster fahren. Bei ihnen zuhause gibt’s nochmals ein schmackhaftes Raclette. Wer weiss wann ich wieder in den Genuss dieses Gerichts komme.
1446 km

Tour

31h

Unterwegs

8

Umsteigen

Rucksack
85kg

GepÀck

Mit dem Zug nach Aarhus DK

Am 4. Januar 5:25 gilt es ernst. Mit der S-Bahn fahren wir von Uster nach ZĂŒrich. Manuel hilft mir auf der ersten Etappe mein GepĂ€ck schleppen. Am Gleis im ZĂŒrcher Hauptbahnhof wartet nicht nur mein ICE, es sind auch noch drei weitere Freunde von mir da. Es ist wunderbar, so Schritt fĂŒr Schritt Abschied zu nehmen. Christina und Andreas begleiten mich sogar bis Basel. Marco ist extra frĂŒh aufgestanden, was nicht oft im Jahr vorkommt. In Basel ist endgĂŒltig Schluss mit Freunden und Verwandten. Nun gilt es neue Freundschaften zu schliessen. Im ICE kann ich meine beiden riesen Taschen erstaunlich gut verstauen. Ich widme mich meiner Lieblings-Morgen-BeschĂ€ftigung und döse gemĂŒtlich vor mich hin. Eine Stadt nach der anderen rauscht an mir vorbei. Eigentlich wollte ich noch einiges auf der Fahrt bis Hamburg erledigen, doch zu viel komme ich nicht. Einige Mails und ein Telefonat mache ich noch und dann sind die 7,5 Stunden ICE auch schon vorbei. Überaus pĂŒnktlich erreiche ich Hamburg. Das hĂ€tte ich nicht gedacht. Jetzt muss ich noch einige Zeit im Bahnhof warten, bis mein reservierter Zug in Richtung DĂ€nemark fĂ€hrt. Weil die Deutsche Bahn so zuverlĂ€ssig gewesen war, enttĂ€uscht mich die DĂ€nische nun umsomehr. Plötzlich mĂŒssen wir alle unerwartet aussteigen und auf einen anderen Zug warten. Unserer muss anscheinend zurĂŒck. Schlussendlich komme ich doch recht pĂŒnktlich kurz vor 22:00 Uhr in Aarhus an. Bis zu meinem Hostel sind es 800 Meter durch die Altstadt. Nun drĂŒckt der Rucksack schwer auf meine Schultern und ich setze mich immer wieder auf eine Parkbank, um auszuruhen. MĂŒde nach dem langen Reisetag erreiche ich mein Hostel, da werde ich in der Rezeption schon erwartet. Kurz unter die Dusche, dann geht es ab ins Bett.

Die ersten Tage auf der FĂ€hre

1646 km

Tour

68h

Unterwegs

Umsteigen

Rucksack
85kg

GepÀck

Als Erster in meinem Zimmer stehe ich auf. Nach einem kurzen FrĂŒhstĂŒck schultere ich mein GepĂ€ck und begebe mich auf den Weg zum Bahnhof. Der Rucksack ist immer noch zu schwer, aber es ist ja nicht mehr weit. Ich komme am Bahnhof an und suche meinen Zug. Zu der auf meinem Ticket angegebenen Zeit fĂ€hrt kein Zug nach Aalborg, erst 30 Minuten spĂ€ter. Dieser bringt mich dann aber sicher zum nĂ€chsten Ziel-Bahnhof. Hier unterlasse ich es, den Fahrplan richtig zu studieren. Mein Zug ist mit Frederikshavn angeschrieben, obwohl ich doch eigentlich nach HjĂžrring [Aussprache] möchte. Leider bemerke ich zu spĂ€t, dass HjĂžrring der erst Zwischenhalt gewesen wĂ€re. Ich warte auf den Bummler und verliere nochmals eine Stunde. 1,5 Stunden vor Abfahrt der FĂ€hre muss ich Hirtshals erreichen. Hoffentlich finde ich am Bahnhof ein Taxi, sonst könnte es knapp werden. Im Zug treffe ich eine Ă€ltere FĂ€röerin. Sie ist auf dem Weg nach Hause und fĂŒhrt mich zum Smyril Line Bus. FĂŒr 30.00 DK fĂ€hrt dieser die GĂ€ste direkt zum FĂ€hrterminal.
Geschafft! Ich bin auf der FĂ€hre und beziehe meine Einzelkabine. Sie besteht aus zwei Betten, einer Kommode, einem Schrank und Dusche-WC-Lavabo. Ich deponiere mein GepĂ€ck und gehe auf Erkundungstour durchs Schiff. Auf dem obersten Deck geniesse ich die letzten Sonnenstrahlen und schon bald bewegt sich die FĂ€hre mit einem leichten Schaukeln aus dem Hafen hinaus ins weite Meer. Man spĂŒrt die Nebensaison, die grosse FĂ€hre fĂŒhlt sich relativ leer an. Ich setze mich in die Bar und lese endlich Andreas Altmann’s «Gebrauchsanweisung fĂŒr das Leben». Viel geschieht auf dem Schiff nicht. Es hat nur wenige Touristen und einige FĂ€röerinnen bilden eine kleine Strickgruppe. Um 18:00 Uhr Schiffszeit, das bedeutet UTC ±0 eröffnet das Abendessenbuffet. Es ist vergleichbar mit einer kleinen Schweizer Mensa. Danach setze ich mich nochmals in die Bar in der ein Solo-Musiker auftritt. Draussen ist es schon lange dunkel und mit leichtem Schaukeln fahren wir nach Norden. Nach ein paar weiteren Geschichten aus dem Leben von Andreas Altmann ziehe ich mich in meine Kabine zurĂŒck und gehe schlafen. Das ewige Schaukeln bringt den eigenen Gleichgewichtssinn schon etwas durcheinander. Am stĂ€rksten spĂŒre ich es in den langen schmalen GĂ€ngen vor den Kabinen. Es ist fast nicht möglich lĂ€nger als zwei Schritte gerade aus zu laufen. Liegend im Bett ist es kein Problem. Ich kann ohne MĂŒhe einschlafen. Nur die kalten FĂŒsse aufgrund der kurzen Decke wecken mich mitten in der Nacht auf.
Am nĂ€chsten Morgen schaukelt es immer noch genau gleich weiter. Nach dem FrĂŒhstĂŒck aus Brot, MĂŒĂ€sli, Ei, Speck und WĂŒrstchen mache ich einen Spaziergang an der frischen Luft auf dem oberen Deck. Die Whirlpools sind leider nicht in Betrieb und auch die Sauna und das Schwimmbad sind aktuell nicht benutzbar. Ich versuche die Möwen zu fotografieren, welche unserem Schiff nachfliegen. Mit erstaunlicher Leichtigkeit halten sie unser Tempo. Ab und zu scheint die Sonne zwischen den Wolken durch und es entstehen am Horizont wunderbare Lichtspiele. Mit dem Wind ist es doch recht frisch hier draussen auf dem Meer. Ich ziehe mich zurĂŒck und mache es mir in der Bar gemĂŒtlich. An meinem Laptop-Bildschirm montiere ich ein kleines Schild mit der Aufschrift «I’m looking for a ride to Vik». TatsĂ€chlich spricht mich nach einiger Zeit ein Pole an. Er fragt mich, wo Vik liege, er mĂŒsse bis nach KeflavĂ­k [Aussprache] fahren. Zum GlĂŒck fĂ€hrt er durch den SĂŒden der Insel und verspricht mich mitzunehmen. Das war natĂŒrlich eine erstklassige Möglichkeit, um in einem Tag meinen Bauernhof zu erreichen. Irgendwann am Nachmittag gibt es eine Bingo-Stunde. So voll war die Bar noch nie wĂ€hrend der gesamten Schiffsreise. Auch heute spielt nach dem Abendessen wieder der Solomusiker bis zum bitteren Ende. Kurz vor zehn sitzt neben mir nur noch ein anderer Zuschauer im Raum.

TĂłrshavn

Auch die zweite Nacht verlĂ€uft angenehm. Ich geniesse den Schlaf und liege noch immer im Bett, obwohl die FĂ€hre schon lĂ€ngst in TĂłrshavn [Aussprache] angelegt hat. Nun ist das Schiff wie ausgestorben. Auch ich mache einen kleinen Landgang und spaziere etwa zwei Stunden durch die Kleinstadt. Eigentlich wirkt es wie ein Dorf mit einem verhĂ€ltnismĂ€ssig zu grossen Hafen. Das Fussballstadion, das man als Schweizer aus dem Fernseher kennt, ist von weitem sichtbar. In der Mitte des StĂ€dtchens liegt ein kleiner Park und in HafennĂ€he hat es eine Art Aussichtspunkt inklusive Statue einer mir nicht bekannten BerĂŒhmtheit. Bei einem Coiffeursalon ĂŒberlege ich mir kurz, ob ich mich hinein setzen soll, aber die kostbare Zeit auf den FĂ€röern möchte ich dann doch nicht mit Haare schneiden verbringen. Als langsam ein Sturm aufzieht, gehe ich aufs Schiff zurĂŒck und beobachte den immer stĂ€rker werdenden Regen aus geschĂŒtzter Position. Wir starten mit zwei Stunden VerspĂ€tung. Nun hat auch die Schiffsinfrastruktur auf Sparflamme umgestellt. Die Bar und das halbe Restaurant sind geputzt und geschlossen. Die wenigen GĂ€ste, die jetzt noch an Bord sind, machen es sich im offenen Teil des Restaurants gemĂŒtlich. Die Wellen werden immer stĂ€rker und pĂŒnktlich zum Abendessen rutschen die ersten StĂŒhle durch das halbe Restaurant. Ich fĂŒhle mich fast wie im Titanic Film, nur die Garderobe der GĂ€ste ist nicht ganz so nobel. Die Tische sind zum GlĂŒck fest verankert und so findet man daran festen Halt. Allzu lange tue ich mir das nicht an und lege mich schlafen.

Seyðisfjörður

Unsere verspĂ€tete Abfahrt wirkt sich natĂŒrlich auf die Ankunft in Island aus. Nun fahren wir pĂŒnktlich zum Sonnenaufgang um 11:00 Uhr in SeyĂ°isfjörĂ°ur ein. Begleitet von einem wunderbar blasslila Himmel. Mit den verschneiten Bergen im Hintergrund sieht es traumhaft aus. Das Hafen-StĂ€dtchen SeyĂ°isfjörĂ°ur (650 Einw.) ist noch kleiner, als ich es mir vorgestellt habe. Wenn unser Schiff voll besetzt wĂ€re wĂŒrden darin mehr als doppelt so viele Personen wie in SeyĂ°isfjörĂ°ur [Aussprache] ĂŒbernachten. Das ist aber heute bestimmt nicht so, nur wenige GĂ€ste und einige Lastwagen verlassen das Schiff. Ich warte in der Touristen Information auf Adrian und seinen silbernen Peugot 307. Als eines der letzten Autos kommt er durch die Kontrolle und hat zum GlĂŒck noch genĂŒgend Platz fĂŒr mein riesiges GepĂ€ck. Ich steige ein und wir fahren gleich los. Er ist hell begeistert von der Bergwelt und fĂ€hrt nur ganz langsam die schneebedeckte Passstrasse hoch. In EgilsstaĂ°ir [Aussprache] sehen wir, dass der direkte Weg nach BerufjörĂ°ur [Aussprache] gesperrt ist und wir den lĂ€ngeren Weg der KĂŒste entlang fahren mĂŒssen. Nun sitze ich mit einigen kurzen Pausen 7,5 Stunden im Auto bis kurz nach Vik. Bei mittlerweile leichtem Regen werde ich von Sigi an der Ringstrasse abgeholt. Nach einem kurzen «Gott kvöld» [Aussprache] gehe ich dann auch schon bald ins Bett. Ich bin ĂŒberaus glĂŒcklich, dass ich die Farm so schnell erreicht habe, und kann jedem eine Fahrt mit der FĂ€hre nach Island nur empfehlen.
559 km

Tour

7h

Unterwegs

1

Umsteigen

Rucksack
85kg

GepÀck

Falls ihr wissen wollt, wie viel Treibhausgase man bei einem Flug oder bei einer Schiffsreise nach Island ausstösst, findet ihr meine Berechnung der Emissionen im folgenden Beitrag.
 
Mein Zuhause unter dem Nordlicht

folge Beitrag

Workaway in Mi∂-Hvoll Jan&Feb19

2 Comments

  1. Peter Vetter sagt:

    Merci Elias fuer diesen Bericht und einen schoenen aufenthalt in Island.GrĂŒs die Feen von mir!

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