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Nach einem Monat auf der Farm in Alexandria beginnt mein Roadtrip. Ich erfahre die Weite Nordamerikas auf dem Trans-Canada Highway und lande wieder auf einer Farm.

Bison

Bison

gesehen
Murmeltier

Biber

gesehen
Sonnenaufgang

5:52

Sonnenaufgang
Sonnenaufgang

20:59

Sonnenuntergang

Übernachtungen

Der Roadtrip startet

Am Samstag, 4. Mai 2019 möchte ich von Alexandria losfahren. Bei der Familie Suter habe ich mich sehr wohl gefühlt, daher fällt es mir gar nicht so leicht aufzubrechen. Ich esse nochmals gemeinsam mit der Familie Frühstück und packe meine letzten Sachen ins Auto. Da geschieht das erste Missgeschick. Ich habe drei Autoschlüssel. Momentan befinden sich alle drei in der Fahrerkabine und diese ist abgeschlossen. Markus versucht mit allerlei Tricks, die Tür zu öffnen, aber wir schaffen es nicht. Zum Glück wird auf dem Hof gerade ein neues Dach aufgestellt. Die ersten Stahlträger werden schon angeliefert. Einer der Arbeiter erkennt unsere Not und kommt zu Hilfe. Er musste auch schon in sein eigenes Auto einbrechen und stellt sich daher als routinierter Schlossknacker heraus. Mit zwei grossen Schraubenziehern und einem Metalldraht ist die Tür in fünf Minuten geöffnet und ich kann doch noch losfahren.
 
 

Unterwegs nach Westen


Am Nachmittag ist es dann soweit und ich fahre entlang der bekannten Strasse wie jeden Morgen und Abend los, nur diesmal geht es nicht zum Stall sondern auf die Autobahn. Es fühlt sich komisch an mit einem eigenen Auto und alleine unterwegs zu sein. Wo werde ich heute Nacht schlafen? Wie schnell komme ich voran? Was werde ich in nächster Zeit alles erleben?
Bis Ottawa komme ich problemlos. Durch die Stadt stockt der Verkehr etwas, aber ich finde den richtigen Weg. Dem Ottawa River entlang fahre ich durch Ontario. Gegen Abend suche ich einen Übernachtungsplatz. Alle kleinen Abzweiger führen zu privaten Häusern, es ist gar nicht so einfach einen stillen Platz zu finden. Schlussendlich übernachte ich auf einem Campingplatz, der erst in einer Woche die Saison eröffnet, aber die Besitzer sind schon da und weisen mir einen Platz zu.

Fahren, fahren, fahren

In den nächsten Tagen fahre ich den ganzen Tag. Ich muss zuerst herausfinden, wie weit ich in einem Tag komme und wieviele Entdeckertage ich mir bis nach Banff leisten kann. Am 16. Mai bin ich mit Reno Sommerhalder verabredet, um Bären in den Rocky Mountains zu suchen. Bis dahin sind es aber noch einige Tausend Kilometer. Auf dem Trans-Canada Highway lässt es sich ganz angenehm fahren. Man kann den Tempomat einstellen und problemlos über mehrere Stunden durch die unterschiedlichsten Landschaften fahren. Ich halte mal an einem See, mal an einem Wasserfall. Übernachtungsplätze finde ich dank der iOverlander App nun besser. Es fällt mir schwer alleine zu reisen. Entlang des Highway reizt mich nichts um länger zu bleiben. Ich frage mich, wieso ich mir das antue, und würde am liebsten umkehren und nach Hause fahren. Einen glücklichen Reisealltag habe ich mir anders vorgestellt. Ich möchte aber nicht zurück in die Schweiz und fünf Tage der Woche im Büro verbringen. Deshalb halte ich durch und fahre weiter, in der Hoffnung, dass die Freude dann von alleine kommt. Nach fünf Tagen erreiche ich Winnipeg. Die zugefrorenen Seen verschwinden und an deren Stelle treten endlose Felder. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung übernachte ich auf dem Parkplatz eines Baseballfeldes etwas ausserhalb der Stadt.

Sanddünen in Kanada

Ich merke, dass ich genügend Zeit habe und mir auch kürzere Etappen leisten kann. Daher mache ich einen Abstecher in den Spruce Woods Provincial Park. Hier backe ich mein erstes Brot im Ofen und erkunde zu Fuss die Sanddünen mitten in Kanada. Es ist hier schon einiges wärmer als in Ontario und langsam beginne ich das Reiseleben zu geniessen. Etwas nördlich vom Trans-CanadaHighway befindet sich der Riding Mountain National Park. Heide und Franz haben davon geschwärmt und im Reiseführer lese ich von Bisons in diesem Park. Ich beschliesse den Umweg in den Norden zu fahren.

Bisons im Riding Mountain National Park

Am Parkeingang kaufe ich mir die Jahreskarte für die Kanadischen Pärke. Im letzten Dorf kontrolliere ich das Kühlwasser und entdecke den Grund, wieso der Motor heute morgen so heiss geworden war. Es ist fast kein Kühlmittel mehr vorhanden. Ich bitte in einer Tankstelle um Nachschub. Sie haben keines an Lager, aber der Besitzer fährt kurz zu sich nach Hause und bringt mir eine Viertelstunde später eine ganze Flasche. Nun läuft wieder alles rund und am Abend werde ich mich mit Kühlmittelvorrat versorgen. Durch den Nationalpark führt eine Kiesstrasse. Die Bisons sind in einem grossen Gehege innerhalb des Nationalparks eingesperrt. Von der Aussichtsplattform aus suche ich die Gegend nach Tieren ab. Auf der ausgedehnten Wiese kann ich aber kein Lebewesen erkennen. Wieder zurück im Auto und bei der Weiterfahrt sehe ich kurze Zeit später in der Ferne zwei Tiere. Glücklicherweise führt eine Strasse ganz in die Nähe des einen Bisons. Aussteigen und zu Fuss gehen ist hier nicht erlaubt. Ich komme im Auto ganz nahe an das Tier heran. In einem anderen Teil des Parks begegne ich noch einer ganzen Herde Bisons. Für mich ein richtig schönes Erlebnis. Glücklich und zufrieden mache ich mich weiter auf den Weg Richtung Rocky Mountains. Noch lange fahre ich an diesem Nachmittag durch die Felder von Manitoba und geniesse es.

Branding in Alberta

Nach diesem Ausflug nach Norden begebe ich mich zurück auf den Trans-Canada Highway. Nächstes Ziel ist der Dinosaur Provincial Park. Ich übernachte am Ufer des Red Deer Rivers nahe der Brücke, von wo aus ich den Sonnenuntergang fotografiere. Ein heranfahrendes Auto hält an und ich komme ins Gespräch mit der Fahrerin. Sie wohnt auf einer Farm unweit von hier. Und für morgen ist ein Branding geplant, zu dem sie mich einlädt. Ich weiss zwar nicht, was mich erwartet, aber am nächsten Tag besuche ich die Ranch von Richard Williams. Ich bin nicht der einzige Besucher, fast ein Dutzend junger Leute aus Quebec helfen mit beim Branding. Es geht darum, den Kälbern das Zeichen der Farm mit einem heissen Eisen ins Fell zu brennen, damit sie nicht gestohlen werden können. Wir treiben 60 Kälber in ein separates Abteil und nun wird eines nach dem anderen mit dem Lasso gefangen und von zwei Leuten auf den Boden gedrückt. Zwei Personen kümmern sich um das Branding, wir anderen versorgen die Kälber mit Schmerzmittel, kennzeichnen das Fell mit grüner Farbe, damit wir gut sehen, welche Tiere schon behandelt wurden, und falls es junge Stiere sind, werden ihnen die Hoden heraus geschnitten. Diese werden in einem Kessel gesammelt, anscheinend um als Appetizer gegessen zu werden. Ich denke mir, wahrscheinlich habe ich da etwas falsch verstanden. So vergeht der ganze Nachmittag, bis unsere Cowboys alle 60 Tiere erwischt haben. Danach gibt es grosses Barbecue und als kleiner Snack werden wirklich die gebratenen Hoden serviert. Mir schmecken sie. Es soll hier in der Alberta Restaurants geben, die einem Kalbshoden für viel Geld als Delikatesse zubereiten. Danach gibt es noch ein riesiges Steak mit Bohnensalat.

Calgary

Am nächsten Morgen geht es für mich weiter nach Calgary. Ich besuche eine kleine Garage, um mir einen Dachträger aufs Auto montieren zu lassen. Die Jungs von Rhino Rack haben leider erst in einer Woche einen Montagetermin frei für mich und somit muss auch mein Dachzelt noch warten.
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