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Skælingar – Blautulón 24.7.

Eldgjá
Eldgjá – Skælingar 23.7.
13. März 2017
Kirschblüten
Kirschblüten im Fricktal
20. April 2017

Am Ufer des Blautulón geniessen wir die absolute Ruhe und Einsamkeit. Doch es ist erst Mittag, deshalb verlängern wir diese Etappe spontan bis zum nächsten See.

Wanderung ins Unbekannte

Der Wecker ertönt um 7:45 Uhr. Es war eine ruhige Nacht und ich habe gut geschlafen. Wir kochen Wasser für unser Müäsli und freuen uns, dass der Rucksack wieder 220g leichter wird. Der blaue Himmel ist immer noch von einer dicken Hochnebelschicht bedeckt und auch das Thermometer klettert nicht über die 11°C Marke. Die andern Wanderer sind auch wach und packen ihre Zelte zusammen. Sie bieten uns an, mit dem Hilux durch den Bach vor der Hütte zu fahren. Wir lehnen dankend ab, unser Weg führt in die entgegengesetzte Richtung. Der Pickup fährt mehrmals durch den Bach und zurück, um die ganze Gruppe trockenen Fusses ans andere Ufer zu bringen.

Durchs einsame Tal Stóragil

Wir bewegen uns am Ostufer des Bachs entlang Richtung Gebirge. Auf Empfehlung des isländischen Guides der Wandergruppe können wir immer dem grössten Flusslauf folgen. Der Bach verzweigt sich relativ schnell, wobei nicht immer ganz klar ist, welcher Arm der grössere ist. Vorbei an kleinen Wasserfällen, Schafen und leuchtend grünen Moosflächen geniessen wir diese Wanderung, bis es zu eng und steil wird, und wir am seitlichen Grashang aus dem Tal hinaus kraxeln müssen. Auf dem Bergrücken angekommen können wir die schwarze Piste im grün-grauen Moos erkennen, diese peilen wir an und folgen ihr bis zum höchsten Punkt. Die Wolkendecke liegt heute etwas höher als gestern und wir sehen im Osten die Skafta und im Norden die drei Gipfel des Uxantindar
Gebirges, welche wir in den kommenden Tagen noch besser kennen lernen werden. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen, wir sind zu zweit alleine in der weiten Natur von Island unterwegs. Für genau diese Momente sind wir nach Island gekommen. In Richtung Westen geht es leicht bergab, im Schatten der Tal-Hänge queren wir ein Schneefeld. Nach kurzer Zeit verläuft die Piste in einer Kurve nach Norden und das Tal öffnet sich immer weiter. Bald können wir den See Blautulón
in der Ferne erspähen.

Blautulón

Diese fast unendliche Weite ist unglaublich und in der Schweiz nicht zu finden. Die Piste verläuft am Ufer entlang aber innerhalb des Sees. Wer hier mit dem Jeep unterwegs ist muss durchs Wasser fahren. Zu Fuss kann man am Ufer entlang zwischen den grossen Steinen hindurch wandern. Auf der Nordseite haben wir unser Tagesziel schon erreicht und legen uns ins weiche Moos für einen kleinen Mittagsschlaf. Ich habe meine Wanderschuhe ausgezogen und meine Zehen geniessen die neu gewonnene Freiheit. Diese weitläufige Landschaft aus Lavakies, vereinzelt mit Moos bewachsen, zieht mich in ihren Bann. Auch die Berge haben so nichts mit unseren Schweizer Alpen gemeinsam. Es gibt fast keine verwinkelten Felswände. Man glaubt sich in einem riesigen schwarzen Sandkasten zu befinden. Jede Erhebung beginnt mit einer sanften Steigung, welche immer steiler wird je weiter man nach oben kommt. Nach einer ausgiebigen Pause beschliessen wir doch noch weiter zu wandern. Die Uhr zeigt erst 14:00 Uhr und wir fühlen uns noch fit und munter. Etwa 5 Kilometer weiter sollten wir auf den nächsten See treffen. Somit ist unser neues Ziel für heute festgelegt. Die Sonne drückt durch die Wolken und wir sehen zum ersten Mal auf dieser Tour unsere eigenen Schatten. In der Ferne erblicken wir wieder mal ein Auto, welches auf der F235 Piste fährt, dahinter liegt unser Übernachtungsplatz am namenlosen See.

Übernachtung am spiegelglatten See

Auf dem Weg durchqueren wir ein Flussbett mit niedrigem Wasserstand. Am Seeufer angekommen suchen wir einen möglichst flachen und steinfreien Platz. Auch hier sind wir ganz alleine. Das Zelt ist in ca. 6 Minuten aufgebaut, nach weiteren 6 Minuten sind alle Leinen rund herum abgespannt, aber die Heringe haben nicht den gewünschten Halt im sandigen Boden. Wir schleppen für jede Abspannleine einen grossen Stein herbei, um so vor allfälligen Winden in der Nacht geschützt zu sein. Auf einer kleinen Fototour erkunde ich die Bergkette des Grænifjalgarður
, weit im Norden erkenne ich unser nächstes Ziel: den Sveinstindur
. Oben angekommen zeigt sich das nächste Tal im Westen noch karger und monotoner als unser Weg bis hierher. Im Skaftártunguafréttur fliesst scheinbar nie ein Bach und somit wachsen hier gar keine Pflanzen. Ich fühle mich wie auf dem Mond. Nach einigen Fotos in alle Himmelsrichtungen ist der Kamera-Akku leer und es beginnt leicht zu regnen. Höchste Zeit um den Rückweg anzutreten. Im Zelt setzen wir das Wasser für die Suppe auf. Heute gibt es Lachspesto mit Pasta. Es schmeckt sehr lecker. In der Zwischenzeit hat sich das Wetter wieder gebessert und wir können unser Abendessen draussen geniessen. Ich wasche mich am See und bereite das Nachtlager vor. Beim schreiben des Tagebuchs blicke ich immer wieder nach draussen. Plötzlich ist es absolut windstill, dies bedeutet, dass der See spiegelglatt ist. Ich springe auf und ergreife meine Kamera. Die umliegenden Berge spiegeln sich wunderbar in unserem kleinen See. Letztes Jahr haben wir in vier Wochen Island nie einen so windstillen Moment erlebt. Überglücklich über die schönen Fotos gehe ich zurück ins Zelt und schreibe weiter. Kurz vor Elf kontrolliere ich nochmals den Himmel, ein schönes Abendrot wäre an diesem Ort der absolute Traum. Leider bleibt es beim Träumen und wir legen uns um 22:45 Uhr schlafen. Gute Nacht.
Zeltaufbau
Zeltplatz
 

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