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Silvrettahorn 21.08.17

25. November 2017
Unbekannter Pilz
Pilze Sammeln 23.9.17
19. November 2017
Übernachtung Chäserrugg
Chäserrugg Übernachtung 25.3.17
10. Dezember 2017

Meine zweite selbst geführte Hochtour bringt mich wieder ins Silvrettagebiet. Zusammen mit Jolanda und Andi möchte ich die Überschreitung des Silvrettahorns angehen. Aufgrund des Wetters verschieben wir die Tour auf Sonntag/Montag und kommen so in den Genuss des wohl besten SAC Hüttenmenüs

Blaubeeren

Hüttenzustieg

Nach dem verregneten Samstag starten wir am Sonntagmorgen. Die RHB bringt uns bis nach Klosters. Am Bahnhof wartet das vorreservierte Gotschna Taxi auf uns. Nur dessen Fahrzeuge dürfen durch das Fahrverbot bis zur Alp Sardasca fahren.
Unter wolkenverhangenem Himmel steigen wir den steilen Pfad Richtung Silvrettahütte hoch. Nach ca. einer Stunde sind wir umgeben von Blaubeerstauden. Wir legen unsere schweren Rucksäcke zu Boden und geniessen einige der reifen Beeren. Es hat Unmengen davon und wir sind zum idealen Zeitpunkt unterwegs. Die kleinen Blaubeeren schmecken herrlich süss. In unseren Rucksäcken finden wir ein leeres Geschirr und füllen dieses für später. Insgesamt sind wir dadurch eine Stunde länger unterwegs und erreichen nach drei Stunden die Hütte.

Gletscherspalte

Wir beziehen unser Zimmer und wandern gleich weiter zu den Badeseeen. Für einen Schwumm ist es mir zu kalt aber als Platz für unsere Mittagspause eignen sich die kleinen Seeen auch sehr gut. Um für die morgige Gletschertour vorbereitet zu sein, wollen wir heute eine kleine Übungsrunde auf dem Eis machen. Etwas oberhalb der Gletscherzunge betreten wir angeseilt den Gletscher. Unser eigentliches Ziel ist eine grosse Gletscherspalte, um uns abzuseilen. Eine wirklich grosse finden wir auf diesem flachen Gletscher nicht, aber mehrere kleine. Wir entscheiden uns für eine ohne Wasserlauf. Nun kommen meine beiden Eisschrauben zum ersten Einsatz. Erstaunlich leicht drehen wir diese ins Gletschereis, um uns daran zu sichern. Andi wagt sich als erster in die ca. 5 Meter tiefe Spalte. Hoffentlich kommt er auch wieder hoch. Für den Notfall haben wir gestern den Flaschenzug geübt. Aber davon müssen wir heute nicht Gebrauch machen. Zuunterst im Blankeis hackt Andi zwei Tritte, mit deren Hilfe wir wieder aus dem Loch klettern können. Die Kamera mit Stativ nehme ich natürlich mit nach unten. In der engen Spalte ist es gar nicht so einfach, einen geeigneten Standpunkt zu finden. Einige Fotografien von dem schönen Blau sind mir dennoch geglückt.
Auf dem Rückweg erwischen wir den falschen Weg und wandern eine schön Zusatzschlaufe vorbei am Wasserfall und an einer Gruppe Steingeissen mit Jungtieren. Pünktlich um 18:30 Uhr erreichen wir die Hütte und können uns direkt in der Gaststube niederlassen. Uns erwartet ein herrliches Menü beginnend mit einer wärmenden Cholräblisuppe. Das Highlight beinhaltet Polenta mit Rotkraut und einen Braten mit einer köstlichen Pilzrahmsauce. Ich habe erst einmal ein solch herrliches Menu in einer Berghütte gegessen, 2014 in der Campanna Soveltra im Tessin. Abgeschlossen wird das Ganze von einem Stück Zwetschgenwähe. Nach diesem Festessen beschliessen wir anderntags um 5:00 Uhr unsere Tour zu beginnen. Das bedeutet natürlich auch, rechtzeitig ins Bett zu gehen, um genügend Schlaf zu erhalten. Der Sonnenuntergang ist leider etwas enttäuschend. Es hat zu viele Wolken.

Drei 3000er in einer Tour

Berge

Felsgrat, Gletscher

Landschaftsart
Steigeisen

WS

Schwierigkeit
13.3 km

Tour

12.5h

Gehzeit

996 hm

Bergauf

1681 hm

Bergab

Nach dem Frühstück wandern wir mit Stirnlampen los Richtung Rote Furka. Auf dem Wanderweg kommen wir gut voran und in der langsam beginnenden Dämmerung werden wir auch von nichts abgelenkt. Kurz vor dem Pass schrecken wir einige Steinböcke auf. Diese nehmen Reissaus und wir bekommen sie leider nicht mehr zu Gesicht. Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichen wir die Rote Furka und verstauen unsere Taschenlampen im Rucksack. Der Tag beginnt. Die Felsnadeln Gross Seehorn und Gross Litzner werden als erste beleuchtet. Ein wunderbarer Anblick. Um uns herum nur Berge und Gletscher. Wir verlieren etwas Zeit durch mein Fotografieren und auch mit der Wegfindung. Auf der Roten Furka verlassen wir den markierten Wanderweg und suchen uns eine Route Richtung Osten. Um den Gletscher unterhalb der Schneeglocke zu erreichen, müssen wir wieder einige Meter absteigen. Eine Möglichkeit dazu besteht wie im Führer beschrieben ungefähr auf einer Höhe von 2’750 m. ü. M. Zwischen den Felsen kann man über Schutt und Kies einige Meter nach unten steigen, um den Hang querend den Gletscher zu erreichen. Ab nun gilt es ernst. Wir montieren unsere Steigeisen, schlüpfen in die Klettergurte und seilen uns an.
Der Start ist sehr angenehm, über den ca. 15° steilen Gletscher gehen wir Richtung Schneeglocke. Nach einem Kilometer wird es etwas steiler und grosse Spalten zwingen uns zu einem Zick-Zack-Kurs. Der einfachste Weg führt fast zum Geröllfuss der Schneeglocke. Auf ca. 3000 m. ü. M. wenden wir uns nach Süd-Osten Richtung Rotfluelücke. Über den fast flachen Gletscherrücken erreichen wir den kleinen See unterhalb von Punkt 3189. Hier verlassen wir das Eis und steigen über Kies und Geröll die letzten 200 Höhenmeter auf. Schon bald finden wir eine Wegspur und folgen dieser bis zum Gipfelkreuz der Schneeglocke auf 3'223 m. ü. M. Seit fünf Stunden sind wir nun unterwegs. Wir machen es uns gemütlich und geniessen die Aussicht über das Silvrettagebiet. Auch auf dem Silvrettahorn hat es schon zwei Bergsteiger. Die grosse Masse an Leuten ist aber wie erwartet wieder auf dem Weg zum Piz Buin. Wir schätzen es, nicht in den Bergsteiger-Stau zu geraten und mustern den vor uns liegenden Grat Richtung Silvrettahorn.

Silvrettahorn 3'243 m ü. M.

Immer noch angeseilt machen wir uns auf den Weg zu unserem Hauptziel von heute dem 3'243 m. ü. M. liegenden Silvrettahorn. Mehrheitlich ist es ein gut begehbarer Weg über den Grat. Vielerorts muss man schwindelfrei Sein. Insbesondere auf der Nord-Ost-Seite geht es steil nach unten. Ein Absturz würde wohl erst 200 Meter weiter unten auf dem Gletscher gebremst werden. An zwei Stellen ist eine leichte Kletterei erforderlich. Andi schicke ich am Seil voraus, damit er Jolanda beim Abstieg von unten unterstützen kann. Ich sichere die beiden solange von oben, bis sie wieder an einem ungefährlichen Ort stehen und klettere ihnen nach. Plötzlich taucht mitten auf dem Grat ein Gipfelkreuz hinter den Felsen auf und wir stehen auf dem Piz Grambola 3’190 m. ü. M. In den Schweizer Karten ist dieser Berg nicht eingetragen. Wir gehen weiter Richtung Silvrettahorn. Der Aufstieg zum Gipfelkreuz ist wie vermutet einfacher als die vergangenen Abstiegspassagen. Einer Wegspur folgend erreichen wir den höchsten Punkt der Tour kurz nach 12:00 Uhr und geniessen unser Mittagessen mit bester Aussicht. Ein riesiger Vorteil dieser niedrigen 3000er-Gipfel gegenüber den 4000ern besteht darin, dass man es sich auf dem Gipfel eher gemütlich machen kann, um den Rundum-Blick länger auszukosten. Da der Abstieg meistens nicht ganz so lang ist und die Wetterbedigungen an einem schönen Sommertag häufig recht angenehm sind, steht man weniger unter Zeitdruck. Der Blick Richtung Piz Buin offenbart uns ein ganz anderes Bild als noch vor drei Wochen. Damals waren viele Spalten im Ochsentaler Gletscher noch mit einer stabilen Schneeschicht bedeckt. Heute sind sie gut sichtbar.
Nach dem stärkenden Mittagessen starten wir den Abstieg. Richtung Süden folgen wir den Wegspuren bis auf ca. 3'070 m.ü. M. Ab hier führt ein schlecht erkennbarer Weg Richtung Westen über das bis zu 40° steile Geröllfeld auf den Silvrettagletscher. Unten angekommen ziehen wir nochmals unsere Steigeisen an und marschieren fast geradewegs Richtung Silvrettahütte. Die Beine werden langsam müde und wir freuen uns schon jetzt auf die Blaubeeren in der Hütte. Mittlerweile sind wir seit 8.5 Stunden unterwegs. Der Abstieg über den Gletscher klappt ganz gut, dieser ist hier nirgends steiler als 15°, nur vor Steinschlag von der Rotflue muss man sich in Acht nehmen. Von diesem Schutthaufen lösen sich mit auftauendem Permafrost immer mehr Steine und kullern auf den Gletscher hinab. Nach einer Stunde auf dem Gletscher sind wir an dessen Ende angekommen und begeben uns für die letzten Meter zur Hütte wieder auf den Wanderweg. Um 15:30 erreichen wir nach 10,5 Stunden wieder die Silvrettahütte. Für eine kurze Pause setzten wir uns in die Gaststube der Hütte und geniessen unsere gesammelten Blaubeeren mit Schlagrahm. Vielen Dank ans Team der Silvrettahütte für den angenehmen Aufenthalt und die spitzenmässige Bewirtung. Mit wieder voll bepacktem Rucksack geht es über den alten Saumpfad zurück zur Alp Sardasca. Die letzten drei Wanderstunden ersparen wir uns und fahren mit dem Gotschnataxi nach Klosters. Eine weitere erfolgreiche Tour im Silvrettagebiet haben wir geschafft. Für mich ist es sicher nicht die letzte in dieser wunderbaren Umgebung. Der Piz Filana oder das Klostertaler Egghorn sind mögliche weitere Ziele.

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