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Pilze Sammeln 23.9.17

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Piz Buin
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25. November 2017

Im Frühherbst ist Pilzzeit im Engadin. Dieses Jahr lasse ich mir die Gelegenheit nicht entgehen und verbringe ein Wochenende mit Pilze suchen, Pilze essen, Engadinerhäuser bestaunen, einer Führung durch den schönsten Bergbauernhof und einer Besichtigung der ursprünglichen Badehäuser und Trinkhallen am Inn.

Kraterellen

Pilz
484 g

Kraterellen

Pilz
2333 g

Pfifferlinge

Mitte September besuchen Marco und ich unseren ehemaligen Bürokollegen Riet in Tarasp. Unser Ziel ist es, die Wälder zu durchstreifen und essbare Pilz zu sammeln. Am Samstagmorgen gehen wir los und schon bald entdecken wir auf dem Waldboden zwischen Moos und Ästen die ersten Pilze. Wir kennen sie leider nicht und lassen sie deshalb an Ort und Stelle. Gesucht sind Pfifferlinge [Cantharellus cibarius] auch Eierschwamm genannt und Steinpilze [Boletus edulis]. Die Pfifferlinge haben einen gelborangen Hut mit feinen Lamellen auf der Unterseite und einen gleichfarbigen Stiel. Die Steinpilze sind mit ihrem kuppelförmigen braunen Hut besser getarnt und es gibt viele ähnliche ungeniessbare Pilze. Ihr Merkmal ist die Pilzhutunterseite, welche keine Lamellen aufweist sondern aus einer schwammartigen gelbbraunen Masse besteht. Wir entdecken wenige Pfifferlinge und fallen bei jeder neuen Pilzentdeckung wieder in Euphorie. Vergebens! Die meisten sind giftig oder ungeniessbar. Das liegt auch daran, dass wir noch gar nicht an unserem geplanten Pilzsammelort sind. Als wir diesen erreichen, sind wir etwas skeptisch, ob es hier so nahe am Restaurant noch Pilze zum Sammeln gibt. Pfifferlinge entdecken wir keine und auch keinen einzigen Steinpilz. Dafür gibt es jede Menge eines anderen kleinen Pilzes mit orangem Stiel und braunem Hut. Riet meint, sich daran zu erinnern, dass seine Tante jeweils genau diesen Pilz für sie gesammelt hat. Nach verschiedenen Abklärungen mit Bilder versenden und telefonieren bekommen wir das OK. Es handelt sich um Kraterellen [Craterellus lutescens] auch Trompetenpfifferling genannt. Bei genauem Beobachten, vorteilhaft ohne Feldstecher, findet man sie überall am Boden zwischen dem Moos. Teilweise muss man sich in Acht nehmen, um einen pilzfreien Platz für seine Füsse zu finden. Wir sammeln fast 500 Gramm davon. Für unser Abendessen würde das reichen. Aber nun ist das Pilzfieber erst recht ausgebrochen, wir möchten noch mehr Pfifferlinge und natürlich auch Steinpilze.

Engadinerhaus und Pfifferlinge

In einem anderen Wiler von Tarasp soll es noch ein weiteres gutes Pilzgebiet geben. Ein Geheimplatz der Familie Fanzun. Unterwegs besuchen wir noch Angelina und Jachen Otto. Sie haben hier ihre Sommerresidenz in einem noch sehr ursprünglichen Engadinerhaus. Wir erhalten eine hoch interessante Führung durch das ganze Haus vom Keller und Stall über die Stube, Küche, Zimmer bis in den Dachstuhl. Das Haus ist noch sehr gut erhalten und zeigt sehr anschaulich, wie früher die Familien im Engadin gelebt haben. Im Garten an der Hausmauer geniessen wir die wärmende Sonne, bevor wir uns wieder der Pilzsuche widmen. Der geheime Platz ist so geheim, dass wir zuerst die falsche Abzweigung nehmen und einen Forstweg entlang gehen, an dessen Wegrand wir nur einen angebissenen Fliegenpilz finden. Nach einem kurzen Stück Quer-Feld-Ein gelangen wir auf den richtigen Weg und schon bald stehen wir auf einer Lichtung mitten im Wald. Wir schwärmen aus und entdecken die ersten Pfifferling-Familien. Wie versprochen finden wir hier ganz viele Pilze. Jeder von uns füllt seinen Stoffsack mit den orangen Pilzen. Es hat hier auch ausserordentlich grosse Exemplare. Bald haben wir viel mehr gesammelt, als wir heute Abend essen können. Das kommt unseren Arbeitskollegen zu Gute. Wir haben genug, um auch noch am Montag zum Zmittag Pilze zu kochen. Nach dem ereignisreichen Tag besteht unser Abendessen aus Salat, Polenta und vielen Pilzen. Wir geniessen den Abend in Riet’s Speisesaal und freuen uns über unsere Sammelerfolge.

Bauernhof und Thermalquellen

Durch unseren Effort am Samstag können wir den Sonntag ruhig angehen. Nach einem reichhaltigen Frühstück machen wir einen Besuch auf dem Bauernhof der Familie Etter ausserhalb von Sent. Die Kühe sind seit diesem Wochenende wieder zurück von ihrem Sommeraufenhalt auf der Alp aber noch auf der Weide. Im Stall ist neben den Zwergseidenhühnern und einem Kaninchen nur ein sieben Tage altes Rind. Schon bald wird es Gesellschaft von weiteren Kälbern bekommen. Wer einmal einige gemütliche Tage in den Bergen verbringen möchte, kann auf dem Bauernhof im Holz-Iglu mit bester Aussicht übernachten oder eine Patenschaft für ein Kälbli übernehmen und dieses in seinen ersten Lebensjahren begleiten.
Auf dem Rückweg nach Tarasp besuchen wir die Thermalquellen und Trinkhallen am Ufer des Inns. Dieser Gebäudekomplex, welcher die Geburtsstunde des Tourismus in Scoul begründete, sucht heute seine optimale Nutzung. Das historische Badehaus wurde sehr sorgfältig saniert und beinhaltet heute Ateliers und Kunstausstellungen aus aller Welt. So geht ein erholsames Wochenende im Unterengadin zu Ende und wir verlassen die wunderschöne Bergwelt. Ein herzliches Dankeschön gilt unserem Gastgeber und Pilzführer Riet. Vielen Dank!

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