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Meine erste eigene Hochtour bringt mich auf den Piz Buin. Von der Silvrettahütte aus besteigen wir gleich zwei 3000er an einem Tag. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher aufs Silvrettahorn, bevor wir nach über 12 Stunden, kurz vor dem Regen, die SAC Hütte wieder erreichen.

Tällispitz 2'842 m ü. M.

7.3 km

Tour

6h

Gehzeit

1247 hm

Bergauf

557 hm

Bergab

Bei schönstem Wetter bewältigen wir den Zustieg zur Silvrettahütte. Als Einstimmungstour und um die Sonne in vollen Zügen zu geniessen besteigen wir den Tällispitz 2'842 mü. M. Von der Hütte benötigen wir nicht ganz 2 Stunden, um den Gipfel an der Schweiz- Österreicher Grenze zu erreichen. Wir haben eine tolle Aussicht auf den Silvrettagletscher, den wir morgen der Länge nach überqueren werden. Auf dem Rückweg erkunde ich schon mal den Gletscher. Auch dieser hat sich in letzter Zeit markant zurückgezogen und überall kleine Seen hinterlassen. Beim Abendessen wird klar, dass wir die einzigen sind, welche morgen eine solch grosse Tour planen. Da wir doch einige Stunden unterwegs sein werden, entscheiden wir uns für das Frühstück um 4:15 Uhr. Der Hüttenwart wird uns alles bereit stellen.

Piz Buin 3'312 m ü. M.

Berge

Berge, Gletscher

Landschaftsart
Steigeisen

WS, II

Schwierigkeit
15.6 km

Tour

12h

Gehzeit

1417 hm

Bergauf

1417 hm

Bergab

Nach einer kurzen Nacht und einem nahrhaften Frühstück wandern wir um 4:45 Uhr von der Silvrettahütte los. Mit Stirnlampen bewegen wir uns auf dem Wanderweg Richtung Silvrettagletscher. Uns stehen 15.5 km, den grössten Teil davon auf Gletscher, bevor. Kurz nach 6 Uhr stehen wir angeseilt auf dem Gletscher. Der Himmel ist noch wolkenverhangen und uns bläst ein unangenehmer Wind ins Gesicht. Ab und zu gesellt sich ein fieser Nieselregen dazu. Auf dem Gletscher finden wir dafür eine Spur vor, welcher wir gut zwischen den Spalten hindurch folgen können. Der Silvrettagletscher hat nur wenige Gletscherspalten, da er relativ flach ist. Nur am Fuss des Egghorns überwinden wir ein steileres Stück (< 30°), bevor wir den Silvrettapass erreichen. Uns fehlen noch 13 Höhenmeter zur 3’000er Marke, doch zuerst geht es erst mal wieder etwas runter über den La Cudera Gletscher. Es ist 7:50 Uhr und wir stehen heute zum ersten Mal in der Sonne. Vor uns steigen vier Personen ein steiles Schneefeld hinauf. Sie kamen von der Tuoi Hütte. Die frühere Route führte über die Fuorcla dal Cunfin. Doch diese ist heute nur noch schwer begehbar. Der einfachere Weg führt etwas südlich davon den 30° steilen Hang hoch. In den Trittspuren unserer Vorgänger ist der Aufstieg leicht. Im Frühling musste ich an dieser Stelle umkehren, da wir vom aufkommenden Föhnsturm umgeweht wurden. Auf der Nordseite müssen wir wiederum 50 Meter auf den Ochsentaler Gletscher absteigen, um zur Buinlücke zu queren. Auf der Spur von der Wiesbadner Hütte steigen etliche Bergsteiger über den Gletscher auf. Alle mit dem Piz Buin als Ziel. Deshalb gleicht die Fuorcla Buin auch einem Materiallager. Wir deponieren unsere Steigeisen samt Pickel und begeben uns auf den Weg durch das Geröllfeld. Auf halbem Weg erreichen wir die Kletterstelle. Es muss ein ca. 20 Meter langer Kamin durchstiegen werden. Die Bergführer einer Gruppe vor uns haben ein Fixseil installiert, womit wir trotz Gegenverkehr problemlos aufsteigen können. Zum Schluss sind nochmals einige Meter auf einem ausgetretenen Weg über Fels und Kies zu bewältigen. Als wir den Gipfel erreichen, sind wir fast alleine. Die meisten sind schon wieder auf dem Rückweg. Wir machen eine kurze Pause an einer windgeschützten Stelle knapp unter dem Gipfel. Auch der Abstieg über den gleichen Weg klappt ganz gut. Um 11:15 Uhr stehen wir wieder auf dem Gletscher und machen uns auf den Rückweg.

Silvrettahorn 3'243 m ü. M.

Aber wir wollen nicht auf dem gleichen Weg zurück. Gemäss Karte sollte es möglich sein, praktisch gerade aus von der Fuorcla Buin Richtung Egghornlücke über den Gletscher zu gehen. Wir sehen auch schon Spuren und andere Bergsteiger auf dieser Route. Die Sonne brennt nun immer mehr und auf dem Gletscher wird es richtig warm. Hoffentlich habe ich genügend Wasser dabei, denke ich und geniesse einen kühlen Schluck Tee. Nach der Gletscherüberquerung steigen wir etwas nördlich der Egghornlücke auf den Grat zwischen Egghorn und Silvrettahorn auf zum Punkt 3'076. Auch der Gipfel des Silvrettahorns ist mehrheitlich schnee- und eisfrei, weshalb wir unsere Eisausrüstung auf dem Grat deponieren. Eigentlich wäre der Gipfelaufstieg ein Leichtes, nur haben wir den richtigen Weg nicht gefunden und sind zu weit östlich durch das Felsband geklettert. Im Westen hätte man das Felsband umgehen können. Aber auch unser Weg führt mit etwas Kletterei zum Ziel. Um 13:45 Uhr stehen wir auf dem Gipfel und haben nun Zeit für unser Mittagsessen. Im Gegenteil zum Piz Buin ist man auf dem Silvrettahorn fast alleine. Mit uns waren nur noch zwei andere Bergsteiger auf dem Gipfel. Wir sehen zurück zum Piz Buin, von wo wir gekommen sind. Auf der anderen Seite liegt der Silvrettagletscher und somit unser Rückweg zur Hütte. Wir gehen zurück zu unseren Steigeisen. Diesmal auf dem richtigen Weg. Es handelt sich mehrheitlich um einen steilen und ausgesetzten Weg, der gut begehbar ist. Wirklich klettern und kraxeln muss man nur an ganz wenigen Stellen. Bevor wir den Grat verlassen packen wir die deponierte Ausrüstung wieder ein. Das grösste Steilstück liegt noch vor uns, ein 150 Meter hohes Geröllfeld mit bis zu 40° Gefälle. Zu Beginn können wir einem leicht ausgetretenen Weg folgen, aber dieser verschwindet bald unter dem Schnee. Wir gehen im Abstand von fünf Metern nebeneinander nach unten, um uns nicht gegenseitig mit Steinschlag zu gefährden. Kurz vor dem Gletscher füllen wir unsere Flaschen an einem kleinen Bach nochmals auf. Auf dem Rückweg über den Gletscher machen sich die müden Beine das erste Mal bemerkbar. Wir sind nun schon seit 11 Stunden unterwegs. Eineinhalb Stunden später erreichen wir das Gletscherende. Nun geht es noch eine Stunde zwischen den Seen hindurch zur Hütte. Wir sind froh noch eine weitere Übernachtung gebucht zu haben. Nach 12,25 Stunden Unterwegs-Zeit geniessen wir die Erholung in der Hütte. Kaum haben wir es uns gemütlich gemacht, beginnt es zu stürmen. Die Regentropfen prasseln gegen das Fenster und die Terrasse wird übersät von weissem Graupelschauer. Unser Zeitplan ist aufgegangen. Nach einer weiteren Nacht in der Hütte treten wir am Montagmorgen den Rückweg an. Eine schöne Tour geht zu Ende und ich habe einen neuen Lieblingsplatz in den Schweizer Alpen gefunden. Das Silvrettagebiet ist wunderschön, weshalb ich auch schon bald wieder zurückkehren werde.

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