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Vrenelisgärtli 30.9.17

2. Oktober 2017
Sonnenuntergang auf dem Sveinstindur
Langisjór – Sveinstindur 26.7.
27. September 2017
Piz Buin
Piz Buin 30.7.17
27. Oktober 2017

Bei herrlichem Wetter besteige ich mit dem SAC Piz Sol das 2'905 m. ü. M liegende Vrenelisgärtli. Der Garten ist schneebedeckt, aber die Einsteigerhochtour gelingt trotzdem perfekt. Wir erleben das volle Programm: Schöne Wälder und Wasserfälle, angenehmer Hüttenaufenthalt, Gletscher, Felsklettern, Gratwandern, eine herrliche Aussicht und viel Sonne.

Freitag Morgen; Die Regentropfen prasseln auf mein Dachfenster und wecken mich. Kein gutes Vorzeichen für die bevorstehende Hochtour. Ein Blick auf den Regenradar zeigt, alles nur halb so schlimm, ab dem Mittag wird es trocken sein. Ich packe meine Ausrüstung zusammen und nach einem vorgezogen Mittagessen geht es los. Wir treffen die anderen SAC Piz Sol Mitglieder um 13:30 in Walenstadt, mit zwei Autos geht es weiter zum Klöntalersee. Auf dem Parkplatz Plätz parkieren wir unsere Fahrzeuge und steigen aufs Taxi um, welches uns ins kleine Dörfchen Käsern bringt. Der Taxifahrer hat sein Portemonnaie nicht dabei und die kleine Wirtschaft ist auch geschlossen, deshalb können wir erst morgen auf dem Rückweg bezahlen.

Zustieg Glärnischhütte SAC 29.09.17

Ab Käsern geht es ohne Einlaufstrecke sofort los. Die ersten Meter noch auf dem Alpweg und anschliessend auf dem Wanderweg im Zick-Zack steil bergauf. Einige besonders steile Stellen sind mit Eisenketten als Kletterhilfen ausgestattet. Die 700 Höhenmeter wollen in nur 2 Kilometer Distanz überwunden werden. Es bleibt trotzdem genügend Zeit den herrlichen Blick in den Talkessel zu geniessen. Die Laubbäume leuchten in geld bis rot, komplettiert wird das Bild vom Firnbach welcher als Wasserfall über die Felsen ins Tal stürzt. Die Glärnischhütte sieht man schon von Anfang an obwohl wir noch viele Höhenmeter zu bewältigen haben. Wir kommen gut voran und erreichen nach 1 Stunde 45 Minuten unser Ziel. Die Liegestühle und die Sonnenterrasse stehen schon bereit und wir geniessen die Sonne vor der Hütte. Nach und nach treffen noch weitere Gäste ein, bis wir etwa 25 BergsteigerInnen auf der Hütte sind. Meine Hoffnungen auf einen spektakulären Sonnenuntergang schwinden immer mehr, die Wolken halten sich hartnäckig und verdecken die letzten Sonnenstrahlen. Um 18:30 wird das Abendessen serviert. Gemüsesuppe, Salat und Kartoffelstock mit Braten. Als Bettmümpfeli erhalten wir ein Stück Schokoladenkuchen mit Rahm. Vor der Nachtruhe gilt es noch das Programm für morgen festzulegen. Das Frühstück wird um 6:00 Uhr bereit stehen, geplanter Abmarsch 6:45 Uhr. Bevor ich mich schlafen lege werfe ich noch einen Blick nach draussen. Die Wolken haben sich fast gänzlich aufgelöst und der zunehmende Mond beleuchtet die Berghänge. Ich packe meine Kamera und versuche mich in der Astro-Fotografie. Irgendwie will es nicht so klappen wie ich mir das vorstelle. Nach einigen Aufnahmen gehe ich zurück zur Hütte und lege mich schlafen.

Vrenelisgärtli 2'905 m. ü. M. 30.09.17

12 km

Tour

9h

Gehzeit

1013 hm

Bergauf

1729 hm

Bergab

Kurz vor sechs werden wir von Walti geweckt. Wir stärken uns am Frühstücksbuffet und ziehen die Tourenausrüstung an. Pünktlich um 6:45 stehen alle bereit. Der Marschtee ist abgefüllt und den Klettergurt haben wir schon angezogen. Die Stirnlampen benötigen wir nicht mehr, es ist genügend hell. Hinter der Hütte geht es eben so steil weiter wie gestern. Auf dem Wanderweg machen wir uns auf in Richtung Gletscher. Auf ca. 2'200 m. ü. M. queren wir den Hang auf einem Felsband und erreichen die Moräne des Glärnischgletschers, welcher früher noch bis weit ins Tal reichte. Um 07:55 stehen wir vor der Gletscherzunge, ziehen die Steigeisen an und bilden zwei Dreier-Seilschaften. Walti führt die erste Gruppe und ich darf die zweite übernehmen. Die Sonne färbt die Wolken leicht rot. Uns steht ein wunderbarer Tag bevor. Die ersten 20 Meter geht es steil den Gletscher hoch, danach bewegen wir uns auf der linken Seite auf dem flachen Gletscherrücken. Es sind nur wenige Spalten unter dem weichen Schnee sichtbar und diese befinden sich meist rechterhand im steileren Abschnitt. Nach drei Stunden erreichen wir den höchsten Punkt des Gletschers beim Schwander Grat. Bis hierhin gibt es keinerlei technische Schwierigkeiten, eine ideale Tour also, um sich an die Steigeisen zu gewöhnen.
Um von Punkt 2859 zum Vrenelisgärtli zu gelangen müssen wir zuerst 35 Meter nach unten steigen, vor uns ist aber eine fast senkrechte Felswand. Alles halb so wild. Damit auch Hochtouren-Einsteiger den Gipfel erreichen können ist diese Passage mit Eisenketten- und Tritten fast wie ein Kettersteig ausgebaut. Wir lassen uns angeseilt. Walti und ich sichern unsere SeilpartnerInnen jeweils von oben und steigen anschliessend selbständig ab. Nach dieser ersten Mutprobe steht bereits die nächste an. Wir balancieren über einen halb verschneiten, halb felsigen Grat ca. 500 Meter bis zum Fusse des Gipfels. Wenn es links und rechts nicht weit nach unten gehen würde wäre dies ein leichter Spaziergang, unter diesen Umständen und mit den Steigeisen an den Füssen lässt es den eigenen Puls doch etwas höher schlagen. Langsam und Schritt für Schritt tasten wir uns vorwärts, bis wir kurz vor dem Gipfel stehen. Die letzten Meter steigen wir vergleichsweise einfach durch die Felsen hoch bis wir den Gipfel auf 2'905 m. ü. M. erreichen. Die Aussicht ist top. Wir sehen vom Säntis über die Churfirsten, Spitzmeilen, Tödi bis zu den beiden Mythen und diverse Seeen im Mittelland. Das Gärtli von Vreneli ist mit Schnee bedeckt und auch auf dem Gipfel hat es gefährliche Wächten. Ich geniesse mein Mittagsbrötli und wir machen uns schon bald wieder für den Abstieg bereit. Über den Grat kommen wir nun mit der Erfahung der ersten Überquerung ganz gut und stehen schon bald wieder vor der Felswand, welche es zu erklimmen gibt. Im Aufstieg verfahren wir umgekehrt, ich steige der Kette nach hoch und sichere meine beiden NachsteigerInnen von oben. Zurück auf dem Gletscher ist der schwierigste Teil überstanden. Alle freuen sich schon auf ein Kaffee und Kuchen in der Hütte. Der Rückweg über den Gletscher ist etwas unangenehm, die Sonne hat den Schnee zu dieser späten Stunde schon mächtig aufgeweicht und wir müssen aufpassen um nicht in eine Gletscherspalte einzubrechen. Wir erreichen das Gletscherende ohne Zwischenfall. Ohne Steigeisen an den Füssen und ohne Seil gehen wir über den Wanderweg zurück zur Hütte. Die ganze Tour dauerte doch etwas länger, aber der angekündigte Regen ist noch nicht eingetroffen.

Zurück zum Klöntalersee

Wir stärken uns mit Getränk und Kuchen in der Hütte bevor wir den letzten Abstieg unter die Füsse nehmen. Es geht nochmal 700 Höhenmeter nach unten bis Käsern. Diese Meter werden wir morgen besonders spüren in unseren Beinen. Das letzte Taxi ist schon ins Tal gefahren, aber der Besitzer der kleinen Wirtschaft fährt uns mit seinem 38 Jahre alten Geländebus zurück zum Parkplatz. Für unsere Damen war diese Fahrt im Militärstil gleich noch eine Premiere an diesem Wochenende. Beim Parkplatz am Ende des Klöntalersees endet unsere SAC-Tour. Es waren zwei abwechslungsreiche und lustige Tage mit einer aufgestellten Gruppe unter guter Führung von Walti. Vielen herzlichen Dank.
Den Klöntalersee kann ich aber nicht verlassen ohne einen Fotostopp einzulegen. Die Wälder rund um den See zeigen sich in ihrem schönsten Herbstkleid und der See ist spiegelglatt. Kaum habe ich vier Fotos gemacht setzt der Regen ein und vorbei ist es mit der schönen Spiegelung. Nun geht es endgültig auf den Heimweg. Je nach Verhältnissen geht’s für mich noch einmal hoch hinaus diese Saison. Ansonsten freue ich mich schon auf den nächsten Frühsommer wenn es wieder auf zu neuen Gletschern geht.

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