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Kachemak Bay State Park September 2019

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Vor dem Winter verbringe ich eine Woche mit Zelt und Rucksack im Kachemak Bay State Park. Es wird eine ruhige Woche mit viel Zeit zum Lesen, Schreiben und Feuer machen.

Übernachtungen

Nachdem ich meine Eltern auf den Flughafen gebracht habe, beginnt für mich wieder ein neuer Abschnitt der Reise. Ich muss mich wieder daran gewöhnen, alleine im Auto zu sitzen, alleine Frühstück zu essen und alleine das Tagesprogramm zu bestimmen. Es fällt mir nicht leicht nach zwei Monaten reisen in Gesellschaft nun wieder auf mich alleine gestellt zu sein. Mir fehlt die Motivation. Anchorage hilft da auch nicht gerade, die Stadt ist wahrlich kein Schmuckstück, die darauf wartet entdeckt zu werden. So verkrieche ich mich in den nächsten Tagen in Cafés und telefoniere mit Freunden und Familie. Das hilft mir am besten aus meinem Stimmungstief heraus zu kommen.

Buckelwale in der Kachemak Bay

So vergeht eine Woche und ich fahre gemütlich bis Homer, wo ich Brad meinen nächsten Workaway Host treffe. Wir trinken Kaffee zusammen und er zeigt mir sein kleines Reich in Homer. Bevor ich mein Workaway beginne möchte ich noch eine Woche in den Kachemak Bay State Park. Brad hat glücklicherweise ein Motorboot und fährt mich damit heute Abend auf die andere Seite der Bucht. Wir fahren bei Ebbe und ruhiger See aus dem Hafen von Homer. Er steuert nicht direkt auf mein Ziel Glacier Spit zu, sondern fährt Richtung Yukon Island. Schon von weitem sehen wir die Luftfontänen der Buckelwale. So schnell kann es gehen und ich bin wieder hell begeistert. Bald sehen wir einen Wal aus nächster Nähe. Immer wieder taucht er neben unserem Boot auf und wieder unter. Die Sonne geht langsam unter und wir fahren zum Strand, den ich in den nächsten Tagen für mich alleine haben werde.

Camping am Glacier Spit

Unterwegs begegnen wir einem Felsen voller Seemöwen und mehreren Seehunden und Fischottern. Am Strand, auf den wir zufahren, bewegt sich etwas Grosses. Von Auge ist es nicht zu erkennen, doch durchs Fernglas sehe ich einen Elch beim Strand-Spaziergang. Brad lädt mich aus und fährt zurück. Nun bin ich also wirklich alleine. Doch hinter dem Strand in der fast trockenen Lagune wartet der Elch auf mich und begleitet mich auf meiner Suche nach dem Trailhead, an dem es hoffentlich eine bärensichere Box hat, in der ich meine Lebensmittel verstauen kann. Es wird immer dunkler, doch es ist noch genügend Licht da, um den Weisskopfseeadler zuoberst auf einem toten Baum zu sehen. Alleine werde ich auf jeden Fall heute Nacht nicht sein. Neben der Bärenbox baue ich mein Zelt auf und lege mich schlafen.

Süsswasser

Wasser habe ich bis jetzt noch nicht gefunden. Daher mache ich mich vor dem Frühstück auf die Suche nach Süsswasser. Vorne am Trailhead gibt es ein WC-Häuschen und noch eine Bärenbox aber auch kein Wasser. Die Lagune hinter mir ist kurz vor dem Austrocknen und der Rest, der noch da ist, ist salzig. Etwas weiter hinten fliesst doch noch ein kleines Rinnsal Süsswasser hinunter. Ich fülle meinen leer geräumten Bärencontainer mit Wasser. Das sollte für die nächsten Tage genügen. So ruhig wie gestern Abend ist es leider nicht mehr. Es bläst ein hartnäckiger Wind. Ich ziehe mich in mein Zelt zurück, lese, schlafe und schreibe. Erst gegen den Abend wird es ruhiger. Nach dem Sonnenuntergang mache ich noch ein Feuer am Strand und verkrieche mich nachher wieder in den Schlafsack.

Der Weg zum Gletscher

Entgegen der Wettervorhersage scheint heute die Sonne. Im windgeschützten Zelt wird es schön warm. Nach einem gemütlichen Morgen erkunde ich den Weg zum Gletscher. Der Wind begleitet mich auch heute, nur im Wald bin ich geschützt. Ich drehe eine Runde dem Fluss entlang bis zum Gletschersee und finde auch da eine Bärenbox. Somit steht meinem Umzug nichts mehr im Weg. Ich gehe zum Zelt zurück und geniesse noch den letzten Abend hier am Meer mit Enten und Fischottern.

Umzug zum Gletschersee

Gemütlich packe ich meinen Ballast zusammen und mache mich mit dem ersten Rucksack auf den Weg zum Gletschersee. Am Weganfang treffe ich unerwartet auf Wanderer. Ein Paar, sie aus Tennessee und er aus Südafrika, besucht ebenfalls den See. Da angekommen baue ich mein Zelt auf und verstaue meine Lebensmittel in der bärensicheren Box. Da mein zweiter Rucksack noch am Meeresstrand liegt, mache ich mich auf den Rückweg. Am Strand angekommen begrüsst mich ein Hund. Seine Herrin kommt mir entgegen, weicht aber auf den Strand aus, um mir auf dem Weg Platz zu machen. Als ich zum zweiten Mal am Gletschersee ankomme, sitzt auch sie mit dem Hund am Strand. Mein Rucksack drückt mir auf die Schulter und ich gehe auf direktem Weg zum Zelt. Am Tag zuvor habe ich ein Buch von Andreas Altmann begonnen zu lesen. Er entdeckt auf der ganzen Welt Menschen, welche interessante Geschichten zu erzählen haben. Ich frage mich, ob diese Frau auch etwas Spannendes zu berichten weiss. Leider werde ich es nie erfahren. Sie steht auf und wandert in die andere Richtung dem See entlang. Ich beginne Holz für ein Lagerfeuer zu sammeln und geniesse den Abend. Den See habe ich ab jetzt wieder für mich alleine.

Mit dem Packraft zum Gletscher

Die Sonne geht gnädigerweise erst um 8:00 Uhr auf. Ich raffe mich wieder einmal auf und erlebe das Erwachen des Tages draussen am See. Er ist immer noch spiegelglatt und alles ist ruhig. Nur ein leichter Raureif bedeckt die Blätter der Pflanzen. Es war unter Null Grad in der vergangenen Nacht. Bevor ich frühstücke, lege ich mich nochmals ins Zelt und geniesse die Zeit. Gegen Mittag ist es immer noch windstill und ich entschliesse mich eine kleine Packraftfahrt zu machen. Über den See am grossen Eisberg vorbei fahre ich bis kurz vor den Gletscher. Das Eis schimmert hier weiss, grau, und blau. Dahinter die namenlosen Berge. Ob sie oft bestiegen werden? Es sieht nach schönen Eis- und Felstouren aus. Auf der ganzen Hin- und Rückfahrt kommt nie ein starker Wind auf. Wie es scheint sind die windigen Tage für den Moment vorbei. Zurück an meinem Strand geniesse ich ein frühes Abendessen und suche einen neuen Standort für das heutige Lagerfeuer.

Die Blüten des Fireweeds

Der See ist umgeben von einer weissen Linie, die parallel zum Wasser in etwa fünf Meter Abstand verläuft. Es handelt sich um die verwehten Blüten der Fireweed Pflanze. Im trockenen Zustand sind sie kuschelig weich und sie sind hilfreich beim Lagerfeuer Anzünden.

Amerikanische Missionarin

Die vergangene Nacht war nicht mehr ganz so kalt. Heute morgen erwache ich ohne Raureif. Trotzdem geniesse ich die Zeit im Schlafsack noch lange. Auf die Sonne warte ich vergeblich, sie kommt nicht hinter den Wolken hervor. Nach dem Frühstück mache ich ein kleines Feuer und lese die zweite Hälfte im Buch «Im Land der Freien». Andreas Altmann berichtet darin von vielen Begegnungen mit Missionaren. Heute werde auch ich von einer Missionarin heimgesucht. Eine Gruppe von über 20 Leuten besucht den See. Mit einer Frau komme ich ins Gespräch. Nach dem Thema Bären, vor denen hier in Alaska viele Angst haben, beginnt sie mir von Jesus zu erzählen. Sie kam zum christlichen Glauben, nachdem sie an einem Tumor erkrankt war. Zwei Wochen nach der Diagnose war er vom Körper abgetrennt. Die behandelnde Ärztin hatte keine Erklärung dafür. Sie rät mir auf meiner Reise nach Jesus zu suchen und verabschiedet sich mitsamt der Gruppe.

Sturm am Grewingk Gletscher

Auf einem Spaziergang erkunde ich den Weg zum Saddle Trailhead, wo mich Brad am Montag abholen wird. Am Meer angekommen beginnt es zu regnen. Viel Platz um hier Lager auf zuschlagen gibt es nicht. Ein Holzsteg führt ins Wasser, wo die Boote anlegen können, ansonsten ist das steil abfallende Ufer dicht verwachsen. Zurück im Zelt verkrieche ich mich nach dem Abendessen direkt in den Schlafsack. Nach Mitternacht erwache ich. Der Wind bläst so heftig und verwandelt das ruhige Ufer in starke Wellen. Mitten in der Nacht muss ich aus dem Zelt nach draussen, um vier Heringe neu zu befestigen. Der Wind hat sie aus ihrer Verankerung gerissen. Mit grossen Steinen sichere ich die neuralgischen Punkte. Der Wind rüttelt noch die ganze Nacht und auch am nächsten Morgen an meinem Zelt. Einen erholsamen Schlaf stellt man sich anders vor. Nach dem Mittag wird es endlich ruhiger. Ich höre nur noch wie der Regen auf mein Zelt prasselt. Ich bringe meinen einen Rucksack zum Meeresstrand und koche mir zurück am See Kartoffelstock als Abendessen. Der Regen ist vorbei. Es hängen nur noch Nebelwolken über dem Gletscher. Ich nutze die letzten Stunden am See für ein weiteres Lagerfeuer.

Nochmals Wale zum Abschluss

Ich bin etwas später als vereinbart am Saddle Trailhead, aber das macht nichts, Brad kommt auch etwas später. Auch sein Hund Jeffa ist wieder mit an Bord. Wir fahren zurück über das spiegelglatte Meer, immer Ausschau haltend nach Walen. Heute sehen wir drei Schweinswale. Kleine Wale etwa einen Meter lang, man könnte sie mit Delfinen verwechseln. Auf dem Rückweg in die Stadt begegnen wir nochmals zwei grossen Walen. Mit dieser Begegnung geht mein Ausflug im Kachemak Bay State Park zu Ende und ich bin wieder zurück in Homer.
 
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