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Cassiar Highway Mai 2019

Blick zurĂŒck zur HĂŒtte
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Ende Mai mache ich mich auf den Weg durch British Columbia in den Yukon. Ich wĂ€hle den westlichen Cassiar Highway und werde mit vielen BĂ€ren-Begegnungen und wunderbaren ÜbernachtungsplĂ€tzen an blauen Seen belohnt.

Übernachtungen

Auf dem Cassiar Highway in den Yukon

Vom sĂŒdlichen British Columbia aus gibt es zwei verschiedene Strassen in den Yukon. In Prince George muss ich mich fĂŒr einen Weg entscheiden. Der öfters befahrene und 1'330 km lange Alaska Highway 97 fĂŒhrt ĂŒber Fort St John und Fort Nelson nach Watson Lake. Reno Sommerhalder empfiehlt mir den Cassiar Highway. Dieser beginnt westlich von Prince George in Kitwanga. Im Mai und Juni sollen die Chancen, auf dieser Strecke BĂ€ren zu sehen, sehr gut stehen. TatsĂ€chlich sehe ich auf den 1'226 km bis ich den Alaska Highway erreiche viele SchwarzbĂ€ren.

Abstecher nach Stewart und Hyder

Einen SchwarzbĂ€ren habe ich noch am Strassenrand des Yellowhead Highway gesehen. Nun auf dem Cassiar Highway sind wirklich viele SchwarzbĂ€ren unterwegs. Ich fahre nur noch etwa 70 km/h anstelle der erlaubten 90 km/h, damit ich mich besser in den BĂŒschen am Strassenrand umschauen kann. In Meziadin Junction, einem kleinen Ort, der hauptsĂ€chlich aus einer Tankstelle besteht, mache ich einen Abstecher an den Pazifik. Ich fahre nach Stewart BC und sogar ĂŒber die kanadisch-amerikanische Grenze nach Hyder. Dieses kleine 90-Seelen-Dorf ist fĂŒr lachsfischende Grizzlys berĂŒhmt. Im August kann man sie am Fish Creek beobachten. Heute Ende Mai ist es ruhig auf der Aussichtsplattform. Die Lachse sind noch nicht da und deshalb auch keine BĂ€ren. Ich fahre weiter die Schotterstrasse hoch zum Salmon Glacier. Bei der Meile 31 muss ich anhalten auf den letzten 6 Meilen bis zum Aussichtspunkt Salmon Glacier hat es zu viel Schnee. Ich parkiere mein Auto an einer möglichst flachen Stelle und wandere zu Fuss die letzten Meilen hoch. Beim Parkplatz angekommen bietet sich mir ein wunderbarer Blick auf den Salmon Glacier. Um vielleicht einen Blick auf die andere Bergseite zu erhaschen, besteige ich die Bergkette hinter mir. Wie so oft ist es nicht einfach, den höchsten Punkt zu erreichen. Hinter jedem vermeintlichen Gipfel kommt doch noch ein etwas höherer zum Vorschein. Die Aussicht nach Osten lasse ich bleiben und widme mich dafĂŒr den SchneehĂŒhnern, die hier oben leben. Mir scheint, sie seien weniger scheu als ihre Schweizer Artgenossen. ZurĂŒck zur schneebedeckten Strasse geht es dann in guter Skifahrer-Manier ĂŒber die Schneefelder auf direktem Weg nach unten. So sind die Wanderschuhe auch gleich wieder geputzt, die vielen MĂŒckenstiche um die Knöchel werden vom Schnee wohltuend gekĂŒhlt und die FĂŒsse sind wie frisch gewaschen, als ich unten ankomme.

Abendlicher Besuch

ZurĂŒck beim Auto bin ich alleine. Alle anderen Besucher sind wieder zurĂŒck ins Tal gefahren. Ich baue mein Dachzelt auf und möchte mit dem Kochen beginnen. Da kommt doch noch jemand die Strasse hoch. Ein schöner Grizzly lĂ€uft gemĂŒtlich auf mich zu. Ich schliesse die Heckklappe am Auto und packe die herumstehenden Sachen ein. Vom Auto aus beobachte ich den BĂ€ren. Er hat auch mich bemerkt und beginnt, etwa 40 Schritte von mir entfernt, die BlĂ€tter der BĂŒsche zu essen. Nach kurzer Zeit und einigen Blicken zu mir dreht er sich um und geht die Strasse wieder hinunter. Ein wahnsinniger Moment. Zum GlĂŒck habe ich den Weg auf mich genommen und bin trotz Schnee bis hierhin gefahren. Die Nacht war dann ruhig ohne weiteren Besuch.

BĂ€ren am Cassiar Highway

Auf dem RĂŒckweg am nĂ€chsten Tag begegne ich einigen SchwarzbĂ€ren an der Strasse. Die ersten beiden klettern einen Baum hoch, die nĂ€chsten sehe ich am anderen Ende eines kleinen Weihers etwa 80 Meter von der Strasse entfernt. An diesem Nachmittag fahre ich noch bis zu einem Rastplatz am Mehan Lake und sehe insgesamt acht SchwarzbĂ€ren in StrassennĂ€he. Leider bemerken sie mich jeweils auch und verschwinden ganz schnell ins undurchsichtige Unterholz.
Nach einem mĂŒckenreichen Abend beginne ich die BĂ€rensuche am nĂ€chsten Tag von neuem. Der Cassiar Highway ist sehr angenehm zu befahren. Es hat fast keinen Verkehr und so kann man gefahrlos ĂŒberall anhalten, wenn man etwas Interessantes sieht. Die ersten beiden SchwarzbĂ€ren, denen ich heute begegne, mögen mich nicht und verziehen sich schnell. Der Grund, warum die BĂ€ren oft entlang der Strasse zu sehen sind, sind die offenen FlĂ€chen links und rechts der Strasse. An diesen StrassenrĂ€ndern wachsen oft Löwenzahn und andere essbare Pflanzen. Im dichten Wald haben diese es schwer an das lebensnotwendige Licht zu kommen. Der nĂ€chste SchwarzbĂ€r ist genau so neugierig wie ich und zieht sich nur hinter den nĂ€chsten Busch zurĂŒck. Immer wieder schaut er durch die BlĂ€tter hindurch zu mir ins Auto. Was sich der BĂ€r wohl fĂŒr Gedanken ĂŒber uns Menschen macht. Hier in der kanadischen Wildnis sind es eher die Menschen, die wie im Zoo eingesperrt im Auto sitzen. Frei sind hier die BĂ€ren. Sie entscheiden, ob sie uns vertrauen und nĂ€her kommen oder nicht.
Meine nĂ€chste Sichtung ist ein Grizzly in einer kleinen Waldlichtung an der Strasse. Meistens bin ich zu schnell unterwegs, um direkt anzuhalten und fahre zuerst daran vorbei, um umzukehren und mich langsam in Position zu bringen. So auch hier bei diesem BĂ€ren. Er bemerkt mich wieder, sieht mich immer wieder an, frisst aber noch eine ganze Weile weiter. Ich habe genĂŒgend Zeit, um Fotos zu schiessen, bis auch er schlussendlich im Wald verschwindet.

Gefangen im Auto

Kurz vor meinem Tagesziel der Recreation Site Sawmill Point begegne ich einem ganz besonders neugierigen SchwarzbĂ€ren. Ich sehe ihn, wie er im Strassengraben Löwenzahn frisst und halte an. Angeblich störe ich ihn nicht, denn er frisst nur wenige Meter von mir entfernt weiter. Plötzlich beginnt er sich fĂŒr mich zu interessieren und kommt auf mein Auto zu. Wie ein Polizist macht er einen PrĂŒfgang rundherum und entscheidet sich dann fĂŒr die BeifahrertĂŒr. Er stellt sich auf die Hinterbeine und schaut mich durch die Scheibe hindurch an. Mit den Vorderpfoten versucht er sich Zugang zum Auto zu verschaffen. Zum GlĂŒck hat er weder einen AutoschlĂŒssel noch einen KleiderbĂŒgel und Schraubenzieher, um die geschlossene TĂŒr zu öffnen. Nach einiger Zeit versucht er es auch noch auf der Fahrerseite, wo er auch den RĂŒckspiegel genau untersucht. Schlussendlich gibt er auf und zieht sich wieder in den Strassengraben zurĂŒck. Aus der dortigen PfĂŒtze trinkt er einige Schlucke Wasser und frisst weiter. Ich fahre die letzten 500 Meter bis zu meinem Campingplatz völlig ĂŒberwĂ€ltigt von diesem Erlebnis.

Sawmill Point Recreation Site

Die Dame im Visitor Center in Stewart empfiehlt mir nach Recreation Sites Ausschau zu halten. Das sind ganz einfache CampingplĂ€tze ohne grosse Infrastruktur, dafĂŒr kostenlos. Die Sawmill Point Recreation Site am Dease Lake kann ich sehr empfehlen. Eine kurze Kiesstrasse fĂŒhrt vom Cassiar Highway ans Ufer des Sees. Da befinden sich einige wenige StellplĂ€tze und zwei Toiletten. Vier PlĂ€tze sind etwas sonniger direkt am See, weitere PlĂ€tze liegen weiter hinten unter den BĂ€umen. Zu der Zeit als ich da bin hat es erstaunlich wenige MĂŒcken, was den Aufenthalt sehr angenehm macht und mich dazu bewegt zwei NĂ€chte zu bleiben.

Rebecca und Johann die Autostöppler

Von Zeit zu Zeit spaziert ein junger Mann mit seiner Angelrute am See entlang. Ich frage ihn, ob er schon etwas gefangen habe. Leider hatte er an diesem Ort bis jetzt keinen Erfolg. Seine Freundin Rebecca und er sind per Autostopp von SĂŒdamerika bis nach Kanada gereist. Die beiden Deutschen haben unterwegs einige Workaway-Aufenthalte gemacht und wir kommen ins GesprĂ€ch. Die nĂ€chsten Tage reisen wir zusammen. Sie sind froh, dass sie jemanden gefunden haben, der bei einer BĂ€rensichtung anhĂ€lt, und ich freue mich ĂŒber die nette Gesellschaft. Es ist schön, wie schnell man neue Freundschaften schliessen kann. Zwei wunderbare Menschen oder in den Worten von Rebecca ein goldenes Paar. Wir sind schlussendlich eine Woche zusammen unterwegs. Wir fischen, kochen, wandern, fĂŒĂŒrlĂ€ zusammen und ich bekomme sogar einen neuen Haarschnitt. Am schönsten sind aber die Abende am Lagerfeuer mit GesprĂ€chen bis tief in die Nacht. Weil wir unterschiedliche Abmachungen vereinbart haben, trennen sich unsere Wege spĂ€ter im Kluane Nationalpark wieder.
Am nĂ€chsten Tag sehen wir einen SchwarzbĂ€ren und einen Elch. Wir machen auch immer wieder an vielversprechenden Seen und FlĂŒssen halt, um zu angeln. Leider ohne Erfolg. Die letzte Nacht auf dem Cassiar Highway verbringen wir auf dem Campingplatz. Der klein scheinende aber weit verzweigte See sieht so traumhaft aus, dass wir nicht weiter fahren können. Wir richten unser Lager direkt am See ein. Aus der Luft könnte man meinen, wir befĂ€nden uns in der Karibik. Klares blaues Wasser, viele kleine Inseln mit weissen StrĂ€nden. Nur anstelle der Palmen bewachsen Tannen die vielen Inseln. Neben uns ĂŒbernachtet Larry, ein Herr aus Seattle. Als ich ihm von meinem Vorhaben, in den SĂŒden zu fahren, erzĂ€hle, erhalte ich gleich seine Karte. Ich solle doch vorbeikommen. Er wohnt auf der Vashon Island. So macht das Reisen gleich doppelt Spass. Bis ich in Seattle vorbeikomme, wird es noch einige Zeit dauern, aber ich hoffe, ich werde ihn dann nochmals treffen.
An diesem Abend sahen wir die Rauchwolke eines Waldbrandes auf der anderen Seeseite.

Der letzte BĂ€r auf dem Cassiar Highway

Am sechsten Tag auf dem Cassiar Highway fĂ€ngt Johann eine Äsche in einem kleinen Fluss. ÜberglĂŒcklich ĂŒber diesen Fang nehme ich meinen KĂŒhlschrank in Betrieb und wir fahren die letzten Kilometer nach Norden. Kurz vor der Grenze zum Yukon treffen wir nochmals einen SchwarzbĂ€ren am Strassenrand. Dieser ist ziemlich unbeeindruckt von uns. Etwa eine halbe Stunde können wir im Schritttempo fahren und ihn aus dem Auto beobachten. Er wechselt zweimal die Strassenseite, kratzt sich zwischendurch den RĂŒcken an einem Baum und frisst ĂŒberall ein paar BlĂ€tter Löwenzahn.
SchwarzbÀr [Ursus americanus]

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