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Es wird Winter in Alaska und für mich bedeutet das den Weg nach Süden anzutreten. Doch zuerst geht es hoch nach Fairbanks und dann über den Alaska Highway vorbei an Bisons und heissen Quellen bis nach Dawson Creek.

Übernachtungen

Ein letzter Blick auf den Denali

Schnee. Endlich wieder einmal die weisse Pracht sehen. Darauf freue ich mich. Auf dem Weg versuche ich in verschiedenen Garagen das Motorenöl wechseln zu lassen, doch niemand hat sofort Zeit für mich. Daher fahre ich in zwei Tagen bis zur Petersville Road, die ich noch vom Sommer her kenne. Auf dem Parkplatz mitten im Nirgendwo stehen noch andere Trucks. Sie haben Anhänger dabei, die mit Schneemobilen beladen sind. Die glücklichen Besitzer dieser Fahrzeuge sitzen wohl irgendwo in einem Cabin vor einem wärmenden Feuer und geniessen das Wochenende. Ich geniesse den Schnee und warte bis sich der Denali zeigt.
Über Nacht fallen etwa 10 cm Neuschnee und ich bin froh, meinen Holzstock noch dabei zu haben. Damit lässt sich der Schnee auch vom Dachzelt wischen. Ich sehe sogar den Denali - für einen kurzen Moment.

Wiedersehen mit Michaela in Fairbanks

Auf dem Weg nach Fairbanks würde ich gerne Hannah in Healy besuchen. Doch sie ist gerade auf Einkaufstour in Fairbanks. Daher fahre ich an ihrem Hof vorbei und klopfe bei Michaela in Fairbanks an die Tür. Sie ist etwas überrascht, dass ich so schnell wieder hier bin. Das Cabin, das im Sommer ganz angenehm war, ist nun relativ kalt. Es ist nicht gedämmt und auch nicht geheizt. Doch mit meinem Schlafsack sollte das auch bei -20° C funktionieren. Hier in Fairbanks sind nun Ende November die Tage richtig kurz. Die Sonne wärmt einem nur von halb zehn bis halb vier Uhr.

North Pole und Hotsprings mit Pia und Pascalle

Auch Pia und Pascalle sind per Autostopp in Fairbanks angekommen. Zusammen besuchen wir eine Univeranstaltung über die Prognose von Schneemengen, fahren zum North Pole, wo der Samichlaus zuhause ist und machen einen Ausflug zu den Chena Hotsprings. In der Badeanlage mit heissem Aussenpool warten wir auf Nordlichter. Der Himmel ist halb bedeckt, einige Sterne sehen wir immer wieder, leider aber keine Nordlichter. Mir ist das Wasser um die 40°C fast zu heiss. Es ist nicht richtig gemütlich länger darin zu verweilen. Man kann aber mit einem Ticket das Bad verlassen ins Café oder nach draussen gehen und am gleichen Tag wieder ins Bad rein. Vor Mitternacht drehen wir eine letzte Runde im Aussenpool, bevor wir durch den Schneesturm nach Fairbanks zurückfahren.
Gemeinsam kochen wir für die Couchsurfing Host von Pascale und Pia ein Abendessen. Es entwickelt sich ein interessantes Gespräch, in dem wir auch den amerikanischen Präsidenten ansprechen. Sie ist kein Fan von Trump, doch viele ihrer Nachbarn haben ihn gewählt. Es sei nach dieser Wahl anders gewesen als bei früheren Präsidentschaftswahlen. Man musste sich plötzlich sehr vorsichtig verhalten auch im eigenen Freundschaftskreis, denn die aktuelle Präsidentschaft habe schon viel Streitigkeit in Familien ausgelöst. Sie meinte, mit ihren Geschwistern könne sie das Thema nicht ansprechen, da es unweigerlich in einem heftigen Streit enden würde. Schade, dass die Menschen nicht bereit sind über jedes Thema und mit dem notwendigen Respekt für das Gegenüber zu diskutieren. Diskussionen sind wichtig. Nur im Miteinander-Reden können wir einander besser verstehen, unsere eigenen Meinungen allenfalls korrigieren und nach Lösungen für Probleme suchen.

Zurück auf dem Alaska Highway

Ohne schöne Nordlichter gesehen zu haben, verlassen wir Fairbanks. Pia fliegt voraus in den Süden von Kanada und Pascale und ich fahren auf dem Alaska Highway bis nach Whitehorse. Nach einem halben Jahr in Alaska fahre ich zurück nach Kanada. Die Strasse und die Landschaft sind nun weiss und es hat bedeutend weniger Verkehr. Wir übernachten an Plätzen, die ich noch vom Sommer her kenne oder an Orten, die ich auf dem Hinweg entdeckt habe. Wenn abends ein Lastwagen über den Highway fährt, wird es taghell. Diese Monsterfahrzeuge haben wahnsinnig helle Scheinwerfer, sie beleuchten die gesamte Umgebung samt tief hängenden Wolken. Wenn möglich entzünden wir ein grosses Lagerfeuer, bevor wir uns in den Schlafsack verkriechen. Mit meinem neuen wärmeren Modell erhole ich mich in der Nacht auch bei -15°C ganz gut. Pascale gebe ich meinen anderen Schlafsack, diesen nutzt sie als erste Schicht, darüber zieht sie ihren eigenen Schlafsack und mit Decken und Jacken baut sie sich ein gemütliches Nest rund herum.

Grenzübertritt nach Kanada

Der Grenzübertritt nach Kanada bringt eine Überraschung. Der Grenzbeamte informiert mich, dass ich nur noch bis am 21. Dezember in Kanada bleiben darf. Danach läuft meine Visa-Verlängerung ab. Diese habe ich beantragt, um bis im März 2020 in Kanada zu bleiben. Mein Verlängerungsantrag wurde auch im Juni angenommen. Doch leider habe ich diesen nicht genau gelesen. Denn die Verlängerung war eben nur bis Mitte Dezember gültig und somit für die Zeit, in der ich in Alaska war. Ich hätte besser keine Visa-Verlängerung beantragt, dann hätte ich die vier noch nicht verwendeten Kanada-Monate nun nutzen können. Der Grenzbeamte empfiehlt mir, so schnell wie möglich eine weitere Verlängerung zu beantragen und informiert mich, dass ich so lange in Kanada bleiben darf, wie mein Antrag in Bearbeitung ist. Am 28. November habe ich daher meine zweite Verlängerung beantragt. Bis anfangs Februar habe ich noch keinen Bescheid von der kanadischen Behörde erhalten.

Dall-Schafe im Klunae Nationalpark

Gerne würden wir eine Wanderung unternehmen, um so den Winter hier auch mit eigenem Leibe etwas mehr zu erleben. Im Kluane Nationalpark besuchen wir das Visitor Center, in dem ich schon im Juni mit Rebecca und Johann war. Das ist geschlossen, doch nicht weit oben im Hang sehen wir Dall-Schafe. Kurzerhand spazieren wir den Berg hoch und befinden uns schon bald mitten in der Schaf-Herde. Es sind vermutlich über 50 Stück, die hier in den steilen Hängen nach etwas Essbarem suchen. Fast wie unsere Steinböcke in der Schweiz sind auch diese Schafe hier nicht ängstlich. Ein grosser Bock läuft wenige Meter an uns vorbei. Als es langsam dunkel wird, fahren wir weiter und übernachten in einer kleinen Nebenstrasse vor Haines Junction. Bis letzten Frühling gab es hier in der Nähe eine grosse Gletscherhöhle. Leider ist diese eingestürzt. Wir wandern trotzdem den gefrorenen Fluss hoch und nutzen so die wenigen Sonnenstrahlen für eine kleine Wanderung. In der Ferne sehen wir zwei Elche, doch bis zum Gletscher schaffen wir es nicht. Sobald die Sonne hinter den Bergen verschwindet, wird es eisig kalt und wir machen uns auf den Rückweg zum Auto. Unten im Tal bei unserem Lagerplatz ist es ein bisschen wärmer, doch noch immer um die -20° C. Für mein Dachzelt ist es auf jeden Fall zu viel. Beim Zusammenräumen am nächsten Morgen brechen die Plastik-Dachfenster. Von der Kälte sind sie zu spröde geworden und lassen sich nicht mehr falten.

Von Whitehorse in den Schnee

In Whitehorse verabschiede ich mich von Pascalle und finde über Couchsurfing einen Platz für drei Nächte. Es ist Sonntagmorgen. Ich erwache noch einmal in einem warmen Raum. Mit Berenike und Robert esse ich zusammen Frühstück und mache mich anschliessend auf den Weg nach Süden. In Whitehorse fülle ich meinen Tank und die grosse Gasflasche, damit ich für die nächsten Wintertage vorbereitet bin. Nach einigen E-Mails wegen meinem gerissenen Dachfenster und dem kommenden Workaway ist es bereits wieder Mittag, bis ich los fahren kann.
Mein Ziel ist der Morley Lake. Da hat es eine sehr schöne Recreation Site, die ich vom Sommer her in guter Erinnerung habe. Nach einiger Zeit auf dem Alaska Highway beginnt es zu schneien, und es liegt hier auch schon deutlich mehr Schnee als in Whitehorse. Als ich die Einfahrt der Recreation Site erreiche, ist diese gepflügt. Doch genau das ist das Problem. Leider ist nur die Einfahrt vom Schnee befreit. Nach 20 Metern liegt eine feste Schneemauer, die so hart ist, dass ich sie auch mit meiner Schaufel nicht abtragen kann. Pech gehabt. Ich fahre weiter, um einen anderen Platz zu finden. Leider gibt es nicht viele Camping-Möglichkeiten im Winter. Die vielen kleinen Strassen, welche zu den schönen Plätzen führen, sind alle zugeschneit. Ich fahre bis zu den Rancheria Falls. Mit Schwung durchbreche ich die Schneemade am Strassenrand und folge einer zugeschneiten Autospur. Nach 50 Metern bleibe ich stecken und komme weder vorwärts noch rückwärts. Diesmal hilft meine Lawinenschaufel. Nach kurzer Zeit sind die Räder vom Schnee befreit und ich folge rückwärts meiner Spur. In Strassennähe parkiere ich mein Auto und beginne bei mittlerweile vollkommener Dunkelheit und leichtem Schneefall Schnee für mein Abendessen zu schmelzen.

Bisons am Alaska Highway

Nach Watson Lake warnen grosse Schilder vor Bisons auf der Strasse. Es dauert auch gar nicht lange und ich sehe die ersten Tiere am Strassenrand. Sie stehen auf der linken Seite der Strasse im Schatten der Bäume. Doch schon ein kurzes Stück weiter treffe ich auf die nächsten Bisons. Diesmal liegen sie in der Sonne und ruhen sich aus. Auf den folgenden Kilometern sehe ich noch ganz viele dieser grossen Tiere. Zweimal fahre ich durch eine grosse Herde von je 60 Bisons. Die meisten fressen das Gras am Rand der Strasse, doch einige legen sich auch mitten auf der Fahrbahn zur Ruhe.

Liard hot springs

Von den Liard hot springs habe ich schon zuhause gelesen. Weil ich sie im letzten Frühling verpasst habe, will ich nun unbedingt an diesem Ort einen Stopp einlegen. Etwa 800 Meter vor den heissen Quellen liegt ein Zeltplatz. Ich bin der einzige Gast, der hier übernachtet. Alle anderen Fahrzeuge sind nur Tagesbesucher. Warm gekleidet und mit der Badehose im Gepäck mache ich mich auf den Weg zum Pool. Das fast natürliche Becken ist auf einer Seite mit Umkleidekabinen und Treppen und Rampen gefasst. Der Boden des heissen Pools besteht aus grossem Rundkies und am Rand hat es verschiedene Sitzmöglichkeiten. Das Wasser ist angenehm warm. Umso näher man sich zur Quelle begibt, umso wärmer wird es. Ich finde schnell die passende Temperatur für mich und geniesse die nächsten Stunden im warmen Wasser. Weil es mir so gut gefällt, bleibe ich gleich drei Nächte hier und koste das warme Wasser voll aus. Nach drei Stunden im warmen Pool ist mein Körper so aufgewärmt, dass ich anschliessend gut bei -16° C im Freien kochen kann. Meine Badehose winde ich in der Umkleidekabine so gut wie möglich aus, doch auf den fünf Minuten Fussmarsch zurück zum Auto gefriert die restliche Feuchtigkeit komplett und ich kann sie wie eine Skulptur im Auto aufstellen.

Der Anfang vom Alaska Highway

In den nächsten Tagen fahre ich über den Alaska Highway bis nach Dawson Creek, dem offiziellen Startpunkt des Highways. Zuerst geht es noch durch Berge und schöne Täler, doch die Landschaft ist immer stärker besiedelt. Je näher ich der Grenze zu Alberta komme, umso öfters sehe ich Infrastruktur der Öl- und Gasindustrie. Hier wird viel Flüssiggas gewonnen. Immer wieder sehe ich einen Baucontainer , einige Rohre die zum Boden hinaus ragen und einen grossen Tank. Entlang des Highways sind einige Camps für die Arbeiter entstanden. Um eine Tankstelle reihen sich jeweils die Wohnbaracken und viele Trucks, Baumaschinen und Lastwagen. Ich übernachte noch einmal an einem kleinen zugefrorenen See und geniesse den klaren Sternenhimmel.
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