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Parkhütte Varusch – Agriturismo Federia 3.9.17

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Auch am zweiten Tag sind wir im Val Trupchun durch den Schnee gestapft. Davor und danach begegneten wir so vielen Wildtieren, wie ich es noch nie erlebt habe. Der Schweizer Nationalpark - insbesondere das Val Trupchun - machte seinem Namen alle Ehre und bot uns einen traumhaften Tag.

Parkhütte Varusch – Agriturismo Federia

17.2 km

Tour

10.0h

Gehzeit

1370 hm

Bergauf

933 hm

Bergab

Val Trupchun

Um 6:30 Uhr begebe ich mich nach draussen, um womöglich einen schönen Sonnenaufgang zu fotografieren. Daraus wird nichts. Leider zeigt sich die Sonne erst viel später an diesem Tag. Kurz nach sieben steht das Frühstück bereit. Bis wir abmarschbereit sind vergeht aber noch einige Zeit, wir können erst um 8:35 Uhr los wandern. Auf dem Weg ins Val Trupchun sind auch noch andere Gäste unterwegs. Man sagt, es soll viele Tiere zu sehen geben, unweit der Hütte sind noch keine auffindbar. Nach kurzer Zeit schon kommen uns zwei junge Männer mit grossen Rucksäcken entgegen. Auch sie haben gestern die Fuorcla Val Sassa überquert aber nach uns. Trotz der Hilfe unserer Spuren haben sie es nicht mehr bis zur Hütte geschafft und mussten weiter oben übernachten.

Rothirsch und Bartgeier

Nach einer Stunde Gehzeit macht uns eine andere Parkbesucherin auf Hirsche weit oben im Hang aufmerksam. Etwa 300 Meter von uns entfernt suchen sie nach den letzten saftigen Gräsern. In den leicht schneebedeckten Hängen sind sie leicht zu übersehen. Aber bei genauerem Absuchen der Hänge sehen wir rund um uns herum Wildtiere. Etwa sieben grosse Hirsche und etliche Gämse sind unterwegs. Drei Hirsche mit mächtigen Geweihen haben sich zu meiner Freude zuoberst auf dem Grat neben einer alten Tanne aufgestellt. Ein herrliches Fotomotiv, welches auch aus grosser Entfernung gut funktioniert. Im Schweizer Nationalpark darf man die Wege nicht verlassen, um die Tiere möglichst wenig zu stören. Im Val Trupchun hat es an mehreren Orten markierte Beobachtungsplätze mit guter Rundumsicht. Auf genau einem solchen Platz stehen wir und beobachten die Gämsen und einen einzelnen Steinbock, da kommen plötzlich zwei grosse Vögel angeflogen. Ich richte meine Kamera gegen den Himmel und erwische die beiden Bartgeier bei ihrem Revierkampf in der Luft. Zwei Angriffe fliegen die beiden gegeneinander bevor sie sich trennen und in verschiedene Richtungen davon fliegen. Nach 40 Sekunden ist der Kampf in der Luft auch wieder vorbei. Ein seltenes Schauspiel durften wir erleben. Wir haben noch 13 Kilometer und viel Schnee vor uns und müssen uns daher auf den Weg Richtung Fuorcla Trupchun machen.

Fuorcla Trupchun 2'779 m. ü. M.

Der Schnee hat sich zum Glück gesetzt und der Weg ist auf 2'200 m. ü. M. sehr gut sichtbar. Er führt auf der Nordseite des Tals in einer angenehmen Steigung bis auf ca. 2'400 m. ü. M. hoch. Von da an geht es im Zick-Zack den 30° - 40° steilen Hang hoch. Die ganzen Strapazen beginnen wieder von vorn wie gestern nur bei etwas besserem Wetter. In den Nebel kommen wir heute erst ganz oben. Zwischendurch drückt immer mal wieder die Sonne durch und zusammen mit dem steilen Aufstieg wird uns richtig warm. Auch der Weg verschwindet bald wieder unter dem Schnee und wir wechseln uns mit dem Vorspuren ab. Links von uns ragen die Felsen mit ihren Eiszapfen bis in die Wolken und auf der rechten Seite wird der Hang immer mal wieder von der Sonne beschienen. Dieser Aufstieg kostet viel Kraft. Wir kämpfen uns durch den Schnee bis auf 2'782 m. ü. M. Auf dem Pass angekommen verdeckt uns der Nebel sofort die ganze Aussicht. Wir sitzen unter das alte Zollhäuschen und verpflegen uns kurz. Der italienische Wegweiser zeigt einfach nach unten. Wo der Weg genau entlang geht, können wir nur vermuten. Wir folgen einem kleinen Bachbett, das unter dem Schnee zum Vorschein kommt. Den Abstieg mag ich überhaupt nicht. Mein Knie hat schon beim Aufstieg rebelliert und beim Hinuntergehen wird es nun von Schritt zu Schritt schlimmer. Im Schnee kann ich rückwärts nach unten gehen das hilft ein wenig. Aber auf der italienischen Südseite gehen wir schon bald wieder auf festem Grund. Eigentlich weiss ich, dass ich eine solche Tour langsam starten muss. Leider habe ich das Gegenteil gemacht und mit zwei sehr strengen Etappen begonnen.

Steinböcke

Unser Weg führt durch das Valle de Saliente in Richtung Livigno. Wir kommen nur langsam voran da ich mein Knie möglichst schonend belasten möchte. Plötzlich vergesse ich mein schmerzendes Knie. Denn auf der anderen Bachseite grast eine Herde Steinböcke. Über 30 Tiere haben sich aufgrund der Schneefälle in diese tiefere Region zurück gezogen. Wir geniessen den Anblick und halten die gewaltigen Tiere mit unseren Kameras fest. Als wir dann doch unseren Weg fortsetzten scheuchen wir einen Steinbock auf, welcher sich direkt auf unserem Weg niedergelassen hat. Auch auf unserer Talseite hat es einige Tiere und so kommen wir noch näher an sie heran. Ein einziges Schaf hat sich auch noch zu den Steinböcken gesselt. Ein seltsamer Anblick, dieses Nutztier mitten in der Wildtierherde. Es ist schon bald 16:00 Uhr und wir sind noch lange nicht bei unserer Unterkunft.

Agriturismo Federia

Der Abstieg führt uns weiter Richtung Livigno. Bis wir kurz vor La Paluaccia nach Osten ins Valle di Federia abbiegen. Bis zur Cheseria da Federia sind es noch fast sieben Kilometer. Wir wandern der wenig befahrenen Strasse entlang und hoffen mittels Autostop die letzten Kilometer bewältigen zu können. Leider nimmt uns kein Auto mit. Aber wir erreichen unser Ziel auch zu Fuss. Vorbei an grasenden Kühen, pfeiffenden Murmeltieren und stolzen Pferden schreiten wir Richtung Abendessen. Um 18:00 Uhr erreichen wir den Agriturismo Federia. Wir sind um diese Zeit die einzigen Gäste und haben unser Mehrbettzimmer somit für uns alleine. Nach einer wohltuenden Dusche setzten wir uns ins Speisezimmer. Eine grosse Steinhalle mit vielen ausgestopften Wildtierköpfen. Als vorspeise bestellen wir die Spezialität des Hauses: frittierte und panierte Mozzarella Kugeln. Mir schmecken sie vorzüglich. Als Hauptgang entscheide ich mich für Pasta mit Gamsgehacktem. Dazu gibt’s natürlich auch Rotwein. Eine optimale Vorbereitung für den kommenden Schlaf. Wir entscheiden uns morgen nicht die ursprünglich geplante Etappe zu wandern. Um uns von den vergangenen Anstrengungen zu erholen und insbesondere um mein Knie zu schönen werden wir es morgen ruhig angehen.
Blick zurück ins Val Sassa

Zernez – Parkhütte Varusch 2.9.17

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