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Zernez – Parkhütte Varusch 2.9.17

Ortler
Ortler – SAC Piz Sol
30. August 2017
Sonnenuntergang auf dem Sveinstindur
Langisjór – Sveinstindur 26.7.
27. September 2017

Meine Sommerferien beginnen auf einem einsamen Weg mit Regen, Schnee und einer Gämse. Zusammen mit Andi werde ich von Zernez nach Poschiavo wandern, eine Tour, die in der Zeitschrift die Alpen beschrieben wurde. Seit fast 3 Jahren steht diese Tour im Engadin auf meiner Wunschliste. Die langen und anstrengenden Etappen haben mich aber bis dato davon abgehalten. Diesen September nehme ich mir endlich Zeit dafür.

20 km

Alpinwanderweg

9 h

Gehzeit

1765 hm

Bergauf

1471 hm

Bergab

Start in Zernez

Am 2. September starten wir um 9:00 Uhr in Zernez. Die erste Etappe führt vorbei an der Chamanna Cluozza über die Fuorcla val Sassa bis zur Parkhütte Varusch. In der vergangenen Nacht hat es bis auf fast 2000 m. ü. M. geschneit, weshalb wir etwas unsicher sind, ob unsere Route wanderbar ist. Wir informieren uns im Nationalparkzentrum und erfahren, dass unser Weg noch nicht gesperrt ist. Im trockenen Museum essen wir unsere schlecht transportierbaren Lebensmittel. Regenfest eingekleidet machen wir uns um 9:45 Uhr auf den Weg. Der Aufstieg Richtung Bellavista bringt uns ins Schwitzen und wir reduzieren unsere Kleidungsschichten unter den Gore-Tex-Jacken auf ein Minimum. Ab 2000 m. ü. M. wird aus dem Regen Schnee. Wenn es Winter wäre, wäre es ein Traumtag. Riesige Schneeflocken fallen vom Himmel, die Bäume am Wegrand erhalten ein feines weisses Kleid und alle Geräusche werden von der weissen Pracht verschluckt. Sogar die eigenen Schritte werden ganz leise im Schnee. Als wir um eine Kurve kommen springt plötzlich eine Gams über den Weg und ab ins Unterholz. Ein anderes Lebenszeichen sehen wir nicht bis zur Chamanna Cluozza. Als wir nach zwei Stunden in der Hütte ankommen, sind wir schon komplett durchnässt. Wir sind die einzigen Gäste in der SAC Hütte und können uns am Holzofen aufwärmen und trocknen.

Fuorcla Val Sassa

Nach einer Stunde sind wir trocken und nehmen den schwierigeren Teil von heute in Angriff. Der Hüttenwart hält uns von der Passüberschreitung nicht ab, und wir starten unser Abenteuer, nachdem wir vom Hüttenvorplatz die ersten Hirsche auf der anderen Talseite erspähen. Zum Fotografieren sind sie leider zu weit entfernt. Taleinwärst sind wir wieder ganz alleine unterwegs. Auf 2000 m. ü. M. wechselt die Farbe der Landschaft wieder von grau-schwarz auf weiss. Am Anfang ist der Weg unter dem Schnee noch gut sichtbar, mit zunehmender Höhe wird die Wegfindung schwieriger. Auf 2250 m. ü. M. hinterlassen wir schöne Spuren im Schnee. Dem Weg können wir nur folgen, weil sich das Wild auch auf dem Wanderweg bewegt hat. Dadurch kommen wir gut vorwärts. Auf fast 2642 m. ü. M. erblicken wir wieder einmal ein Wanderwegzeichen an einem hohen Stein, danach Sehen wir den Weg nicht mehr. Das Wild war in dieser Höhe nicht mehr unterwegs und mittlerweile liegen 30 cm Schnee wie eine weisse Decke auf der gesamten Landschaft. Dazu kommt ein fieser Nebel, welcher die Sicht komplett einschränkt. Zeitweise ist jeder Schritt ein Tritt ins Ungewisse. Erst als mein Schuh auf festen Boden tritt erkenne ich, ob es vor mir hinauf, hinab oder gerade aus geht. Eine ganze Weile kämpfen wir uns so durch den Schnee. Ganz schwach sehen wir die Konturen der Fuorcla val Sassa und können uns so ungefähr auf der Route halten. An den Wanderweg denken wir gar nicht mehr. Es wird immer steiler und der Schnee immer tiefer. Zwischen den Felsen legen wir unsere Spur bis zur Passhöhe. Auf 2857 m. ü. M. bläst uns ein eisiger Wind entgegen. Es ist schon 17:05 Uhr und wir realisieren, dass es heute eine späte Ankunft in der Hütte geben wird. Für einen kurzen Moment haben wir mit dem Natel Empfang und melden unsere Verspätung dem Hüttenwart. Der Abstieg wird durch die vielen Felswände noch heikler. Von oben ist das Erkennen der Abgründe sehr schwierig. Zum Glück wird die Sicht eher wieder besser. Mit Hilfe der Karte finden wir eine Abstiegsroute. Mittlerweile steht nicht mehr der Spass am Wandern im Vordergrund. Es geht nur noch darum, die Hütte für heute Nacht zu erreichen. Im unteren Teil des Tals scheuchen wir eine ganze Gruppe Gämsen von ihrem Weideplatz weg. Noch weiter unten begegnen wir mehreren Hirschen, welche leider sofort Reissaus nehmen. Ich spüre mittlerweile die Belastung dieser anstrengenden Tour in meinem zwickenden Knie. Eigentlich hätte ich es wissen sollen und die Tour mit einer einfachen Aufwärm-Etappe beginnen sollen. Dieses Versäumnis wird mich auch morgen noch belasten. Punkt acht Uhr abends kommen wir endlich bei der Parkhütte Varusch an. Der Koch ist zum Glück noch da und bereitet uns ein feines Abendessen zu. Nach dieser Stärkung im Speisezimmer legen wir uns müde und überglücklich schlafen, in der Hoffnung auf eine rasche Erholung und im Wissen, dass wir morgen wieder in den Schnee zurück dürfen.
 

in Arbeit

nächste Ettape

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