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Piz Palü

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15. August 2017

Wir stehen um 8:30 Uhr auf dem Gipfel des Piz Palü. Wo unsere Blicke auch hinschweifen sehen wir Schnee, Eis, Berggipfel und über uns den blauen Himmel. Diesen Juli hat es funktioniert mit einer weiteren Hochtour im Bernina Gebiet. Eine absolute Traumtour.


Piz Trovat

Im Winter konnten wir den Piz Palü wegen zu viel Schnee leider nicht besteigen. Darum findet unser zweiter Versuch anfangs Juli statt. Die Anreise verschieben wir vom Montag auf den Dienstag. Der Wetterbericht hat für die kommende Nacht keine Niederschläge angekündigt und somit sollten wir am Mittwochmorgen früh im Trockenen loslaufen können. Wir fahren mit dem Auto bis zur Talstation Diavolezza. Die ersten 900 Höhenmeter überwindet die Bahn für uns. Das Gletschermaterial deponieren wir im Zimmer und machen uns mit der Kletterausrüstung auf den Weg. Für den ersten Tag haben wir uns den Klettersteig am Piz Trovat vorgenommen. Mit einer Schwierigkeit von 2-3 ist er die ideale Tour, um sich an die Höhenluft und das grossartige Panorama zu gewöhnen. Wir steigen von der Bergstation Diavolezza auf dem Wanderweg einige Meter Richtung Gletscher ab, um zum Einstieg des Klettersteigs zu gelangen. Mit dem Helm auf dem Kopf und mit dem Klettersteigset am Gurt gesichert geht es über eine erste Leiter los Richtung Gipfel.
Wir klettern über viele Eisentritte die fast senkrechte Felswand hoch. Die Aussicht wird immer besser je höher wir steigen. Der Vadret Pers liegt unter uns und hinter dem Fels kommt langsam unser morgiges Ziel der Piz Palü zum Vorschein. Mit den vielen Eisentritten im Fels kommt man gut voran. Um die Besteigung etwas spannender zu gestalten überwinde ich einige Passagen direkt auf dem Fels ohne Griffe und Tritte. Nach ca. zwei Drittel Höhe verläuft der Weg einige Meter nach unten und führt über die Seilbrücke zur Gipfelfelswand. Wir nehmen die einfachere Route und sparen uns die schwierige Variante für einen anderen Tag. Der Gipfel ist ein guter Platz für die Mittagspause und unser Bergführer Patrick Keller macht seinen obligaten Kopfstand. Der Wanderweg auf der Rückseite führt uns zurück zur Bergstation Diavolezza.

Diavolezza

Es bleibt noch genügend Zeit, um die grandiose Berglandschaft rund herum zu studieren, bevor wir im Panoramarestaurant das Abendessen geniessen. Die Sonne verschafft sich immer mehr Raum am Himmel und ich freue mich auf die schöne Abendstimmung. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind die umliegenden fast 4000er Gipfel klar zu sehen, nur der höchste der Ostalpen – der Piz Bernina versteckt sich hinter einer einsamen Wolke. Mir gefällt das Schauspiel. Es entstehen einige tolle Fotos. Kurz nach 9:00 Uhr legen wir uns schlafen. Es wird sowieso nur eine kurze Nacht werden. Da ich nur selten in einer solchen Bergkulisse übernachte, stehe ich schon um 2:00 Uhr wieder auf, um einige Fotografien bei Mondlicht zu machen. Die Wolken sind verschwunden und der Piz Palü wirft einen gewaltigen Schatten auf den Gletscher. Leider verdeckt er auch die Milchstrasse. Ich habe die Nachthimmel-App wieder mal falsch gelesen. Zurück im Bett lege ich mich nochmals 30 Minuten auf die Matratze, bevor unser Abenteuer um 3:15 Uhr beginnt.

Piz Palü

Wir lassen uns das reichhaltige Frühstücksbuffet auch mitten in der Nacht schmecken. Gestärkt und mittlerweile auch wach starten wir um 4:00 Uhr. Auf dem Wanderweg gehen wir östlich am Piz Trovat vorbei bis zur Fuorcla d’Arlas. Hier montieren wir unsere Steigeisen und seilen uns an. Ebenerdig steigen wir auf den Gletscher. Wir gehen über den flachen Gletscher Richtung Mond, welcher genau über dem Piz Palü steht. Die Stirnlampe ist schon nicht mehr nötig, so hell ist das Mondlicht. Am Fusse des Piz Cambrena beginnt der steile Gletscher und damit auch die Spaltenzone. Im Zick-Zack folgen wir der Spur vorbei an den gewaltigen Gletscherspalten. Die Verhältnisse sind ideal, der Firn ist noch gefroren und bietet guten Halt. Erstaunlicherweise sind nur wenige Seilschaften unterwegs. Wir kommen gut voran und erreichen gegen 6:15 den Schnappsboden.
Die Sonne hat den Mond abgelöst. Es wird langsam wärmer. Auf Empfehlung unseres Bergführers entfernen wir uns von der Normalroute auf dem Grat zwischen der Fuorcla Pers-Palü und dem Piz Palü. Wir kraxeln nun am kurzen Seil gesichert in luftiger Höhe über den Felsgrat bis zum nächsten Firnfeld. Dieses verläuft in einer leichten S-Kurve mit über 45° ziemlich steil nach oben. Für mich sieht es aus wie ein kleiner Biancograt. Voller Freude stapfe ich den Grat hoch. Mittlerweile sind wir in der Sonne angekommen. Beim Skidepot kehren wir zurück auf die Normalroute. Nach einer kurzen Pause geht es weiter zum letzten Teilstück, dem Gipfelanstieg. Es wird nochmals steil. Auf dem Firnfeld geht es wieder in Spitzkehren hoch. Erst die letzten 160 Meter vor dem Piz Palü-Ostgipfel weisen nur noch eine leichte Steigung auf. Aber der Weg ist auf der Gratspitze, links und rechts geht es über gefühlte 100 Meter senkrecht nach unten. Voller Konzentration und in kleinen Schritten geht es vorwärts. Auf dem Ostgipfel gibt es eine kleine Verschaufpause, bevor es die letzten 500 Meter wiederum über einen ausgesetzten Grat zum Hauptgipfel geht. Die Uhr zeigt 8:30 Uhr und das Tagesziel ist schon erreicht. Die Aussicht auf die umliegenden Berge der gesamten Ostalpen ist grandios. Im Engadin liegen noch einzelne Nebelschwaden, aber der Piz Palü und sein grosser Bruder der Piz Bernina sind wolkenlos. Von Westen kommen uns zwei Seilschaften entgegen, welche vom Rifugio Marco e Rosa CAI gestartet sind und den Palü in Richtung Osten überschreiten.
Obwohl ich mich an dieser Weitsicht kaum satt sehen kann, müssen wir den Rückweg unter die Füsse nehmen. Aber nicht ohne ein Kopfstandfoto unseres Bergführers! Nach dem Ostgipfel kommt uns eine weitere Seilschaft entgegen. Wir warten an einer nicht ganz so schmalen Stelle, um zu kreuzen und Patrick steht schon wieder kopfüber auf dem Weg, obwohl es auf beiden Seiten steil nach unten geht. Zurück beim Skidepot geniessen wir um halb zehn unser Mittagessen. Wir steigen über die Normalroute den Gletscher hinab. Der Firn wird allmählich etwas weicher, aber alle Gletscherspalten-Querungen funktionieren noch. Um 11:20 Uhr erreichen wir den Gletscherrand und können unser Eisgerät wieder im Rucksack verstauen. Ich geniesse meinen letzten Schluck Marschtee. Zum Glück ist es nicht mehr weit zur Diavolezza. Auf der Terrasse sitzend geniesse ich den Anblick des Piz Palü, stolz, diesen tollen Berg bestiegen zu haben. Obwohl es erst kurz nach Mittag ist, fühlt es sich an wie am späten Nachmittag. Ich werfe noch einen letzten Blick zurück auf die vergletscherten Berge und fahre dann mit der Luftseilbahn ins Tal zurück. Ein herzliches Dankeschön geht an unseren Bergführer Patrick Keller, welcher uns sicher durch dieses hochalpine Gebiet geführt hat und das Wetter perfekt einplante.

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