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Zurück in die USA März 2020

Herefordkalb
Williams Ranch März 2020
5. Mai 2020

Ich flüchte vor dem Winter und vor dem in Kanada aufkommenden Corona Virus in die USA. Meine Reise findet an der amerikanischen Grenze fast ihr Ende, doch schlussendlich erreiche ich den Frühling in Idaho.

Übernachtungen

Das Corona Virus ändert meine Route

So richtig angekommen ist das Corona Virus hier in Kanada noch nicht. Es gibt ein paar Fälle in Calgary und die Frau des Präsidenten ist infiziert, auf meinen Alltag hat es noch keine Auswirkungen. Nur leider ist es für meine Besucher aus der Schweiz im Moment nicht mehr möglich nach Amerika zu fliegen. So fällt mein Sommerprogramm dem Virus zum Opfer und ich muss mich neu orientieren. Vom Winter habe ich mittlerweile genug und beschliesse daher erstmal etwas weiter in den Süden zu fahren. Kurz vor der Grenze besuche ich den Writing-on-Stone Provincial Park. Als ich am frühen Abend ankomme, scheint die Sonne, die Gänse sitzen am Flussufer und über die Wege laufen Rehe. Am nächsten Morgen liegen zehn Zentimeter Neuschnee und es bläst ein eisiger Wind. Ich verlege meine Küche in ein Häuschen und heize den Ofen ein. So verbringe ich meinen letzten Abend in Kanada.

Grenzübertritt nach Montana

Momentan sind die Grenzen zwischen Kanada und den USA noch offen. Das möchte ich nützen und fahre zum Grenzübergang Coutts – Sweetgrass. Ich zeige meinen Pass und werde gebeten das Auto zu parkieren und ins Gebäude zu kommen. Das Virus ist kein Thema aber die Beschriftung www.eliasvetter.ch – photography auf meinem Auto macht Probleme. Als ich die Buchstaben in Alaska aufgeklebt habe, sprach ich noch davon sie wegzureissen bevor ich in die USA fahre. Wegen dem Virus habe ich nicht mehr daran gedacht. Der Grenzbeamte erkundigt sich über mein Vorhaben und besucht meine Website. Da findet er auch mein Angebot Bilder zu kaufen. Das passt ihm gar nicht. Um Fotografien in den USA zu machen und diese anschliessend zu verkaufen wäre ein Arbeitsvisum nötig. Ich erkläre ihm immer wieder, dass ich nur Bilder aus der Schweiz verkaufe und mit meinen Fotografien aus Alaska kein Geld verdiene. Er will mir nicht so recht zuhören und verschwindet mehrmals wieder an seinen Arbeitsplatz. In der Zwischenzeit erreicht eine Gruppe Amerikaner den Grenzübergang. Sie waren in Israel und haben allerlei Früchte dabei, die sie nicht einführen dürfen. Als der Trubel vorbei ist, werde ich in ein separates Büro gebeten und er stellt mir wieder die gleichen Frage, ob man auf meiner Website Bilder aus den USA kaufen könne. Ich antworte, der Verkauf von Bildern sei für Bilder aus der Schweiz gedacht und dass ich noch kein Bild aus den USA verkauft hätte. Nach zwei Stunden ist er nachsichtig und lässt mich einreisen. Der Lebensmittelkontrolle fällt mein angefangener Lauch und der Reis aus Indien zum Opfer. Ich bin erleichtert und fahre durch den Schneesturm bis nach Shelby. Ich darf bis am 13. September in den Vereinigten Staaten bleiben. Ich hoffe das klappt auch und wird nicht vom Corona Virus überschattet.

Auf der Suche nach Wärme

Nun da all meine Pläne mit Besuch aus Europa ins Wasser fallen, bin ich wieder frei in meinen Reisewegen und -zielen. Vom Winter habe ich genug und möchte daher in die Wärme. Mein Onkel gibt mir eine Kontaktadresse in Idaho, von dort aus möchte ich mich nochmals über die Corona Lage informieren und mir eine Reiseroute durch die Parks in Utah zurechtlegen. Mein Weg nach Boise führt mich durch den Glacier Nationalpark. Die schöne Strasse Going-to-the-Sun Road ist im Winter leider geschlossen. Doch mein Interesse hat sie auf jeden Fall geweckt. Vielleicht komme ich in ein paar Monaten nochmals hier vorbei. Weiter geht’s durch den Clearwater National Forest an den Salmon River in Idaho. Hier liegt kein Schnee mehr. Die Kühe haben ihre Kälber schon auf die Welt gebracht und ich kann meine dicken Handschuhe wieder weit hinten im Truck verstauen. Hier erinnert mich alles an die ersten Tage auf der Strasse, als ich im Mai durch Kanada gefahren bin. Es riecht hier gleich, die Tage sind warm, sofern die Sonne scheint, doch die Nächte können noch immer kühl werden. Immerhin sollte mir nun nichts mehr im Auto gefrieren und ich kann meine Wasserkanister wieder füllen.

Salmon River

Am Salmon River bleibe ich zwei Nächte. Dieser Fluss wäre eine schöne Möglichkeit mein Packraft auszupacken. Doch momentan ist mir nicht nach kaltem Wasser zumute. Ich packe die Sommerkleider aus und verstaue die warmen Handschuhe hinten in den Schubladen. Heute sehe ich zum ersten Mal meinen blinden Passagier. Ganz hinten auf der Ladefläche sitzt ein kleines Mäuschen. Im letzten Mai vor fast einem Jahr wurden meine Lebensmittel zum ersten Mal angeknabbert. Nun sehe ich den Grund. Kann es sein, dass dieses Mäuschen mich nun 10 Monate durch Alaska und Kanada begleitet hat und Temperaturen von -40°C überlebt hat? Ich denke es hatte ein schönes Leben. Nicht jede Maus in Kanada kann sich an Schweizer Schokolade satt essen. Doch damit muss nun Schluss sein. Auf dem Weg nach Boise werde ich eine Mausefalle kaufen.
Nach einem Lagerfeuer und dem wohltuenden Duft von Kieferholz lege ich mich in mein Dachzelt schlafen. Es war ein toller Tag. Die Temperaturen sind traumhaft. Es macht richtig Spass, wenn man im Nachthemd draussen die Zähne putzen kann ohne zu frieren. Nach diesem ersten Frühlingserlebnis fahre ich weiter nach Boise, wo ich am Abend bei John und Sharla eintreffe.
Herefordkalb

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