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Polarmond Expedition 17.02.18

Verborgener Wasserfall
Skælingar – Álftavötn 28.7.
17. März 2018
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1. April 2018

Bei Sturm und Nebel verbringen wir eine Nacht auf dem Chäserrugg. Expeditions-Feeling pur mit dem Polarmondschlafsystem. Nur die Sonne will nicht so richtig mitspielen. Dafür nutzt der Nebel seine Chance und wird zum Hauptdarsteller in der morgendlichen Fotosession.

Rucksack packen

An diesem Wochenende bin ich für einmal mit drei weiteren WintercamperInnen unterwegs. Ich habe mich für den Mountain Biwak Kurs von Tobias Ryser angemeldet. Ein Fotokurs mit Übernachtung im Zelt auf einem verschneiten Berggipfel. Wir treffen uns in Unterwasser auf dem Parkplatz der Bergbahnen. Zuallererst müssen wir unsere Rucksäcke umpacken. Wir, das sind Sabine, Daniel und ich. Tobias hat für jeden ein Polarmond-Schlafsystem dabei. Ich habe schon oft davon gehört und gelesen. Fast alle Reaktionen zu diesem Zelt-Schlafsack-System klangen begeistert. Aber zuerst müssen wir alle Einzelteile in unserem Rucksack verstauen. Es kommt eine ganze Menge zusammen. Das Herzstück, die Aussenhülle des Schlafsystems und den Liner, die eigentliche Bettdecke, verstaue ich in meinem 80-Liter-Rucksack. Der Rest, Isomatte, Zelt-Modul, Zeltstangen und Schneeanker, lege ich in einen Packsack und binde diesen seitlich an meinen Rucksack. Nun kann es losgehen. Schwer beladen steigen wir in die Standseilbahn. Vom Chäserrugg machen wir uns auf Richtung Rosenböden.

Polarmond Zelt aufstellen

Für den späteren Nachmittag sind starke Winde angesagt. Wir möchten wenn möglich unser Zelt noch vorher sicher im Schnee verankern. Zu viert planieren wir eine Fläche unweit des Winterwanderwegs und packen die Einzelteile aus. Das Polarmondsystem lässt sich einfach aufstellen. Matte aufblasen, unter das Schlafmodul schieben und per Reissverschluss mit dem Vorzelt verbinden. Vier Zeltstangen geben dem Zelt die gewünschte Form. Nun muss es nur noch mit Skistöcken und Schneeankern befestigt werden. Nachdem alle Zelte stehen machen wir eine kleine Erkundungstour zu unserem Fotospot. Man sieht leider nur weiss. Aber das kann sich noch ändern bis morgen früh. Langsam beginnt es zu schneien und auch der Wind wird stärker. Wir wandern zur Bergstation und machen da unsere Zvieri-Pause.

Der Sturm zieht auf

Auf dem Rückweg zu unserem Zeltplatz spüren wir schon einen unangenehmen Wind im Gesicht. Das sieht nicht nach einem gemütlichen Abendessen aus. Zu viert bauen wir uns eine Windschutzmauer, in der Hoffnung so einen ruhigen Ort zu schaffen. Es braucht einiges an körperlicher Anstrengung, um eine genügend hohe Mauer für vier Personen zu erstellen. Die Temperaturen sind immer noch leicht über Null Grad und der Schnee deshalb sehr nass. Zum Glück habe ich dieses Mal zwei Paar Handschuhe dabei. Nach einer Stunde Schneeschaufeln ist das erste komplett durchnässt. Wir haben uns eine schöne Sitzbank mit Windschutz inklusive Kochnische gebaut. Nur leider bläst der Wind von allen Seiten und es wirbeln überall Schneeflocken umher. Meine Kleider halten zum Glück dicht. Aber wirklich gemütlich ist es nicht. Wir helfen uns mit der Pinguin-Taktik und sitzen alle nebeneinander hinter unserer Schneemauer, welche nur mässig schützt. Zum Aufwärmen und für die Stimmung kocht uns Tobias Kaffee. Der Wind verweht den Schnee immer mehr und rüttelt kräftig an unseren Zelten. Wir starten eine erste Fotosession. Eigentlich filmen wir vor allem. Die Kraft des Schneesturms ist dadurch viel besser ersichtlich. Die stärksten Böen erreichen wohl etwa 70 - 80 km/h. Es macht Spass den Zelten zuzusehen wie sie langsam eingeschneit werden. Von den Bergen im Hintergrund sieht man durch den Nebel nichts mehr. Wir könnten genau so gut im Hohen Norden auf dem Weg zum Nordpol sein, without pur. Mit der aufziehenden Dunkelheit kommen unsere Zeltlampen zum Einsatz. Kleine runde dimmbare Lampen, welche das Zelt wunderbar ausleuchten. Zu viert eine 20 Sekunden Belichtung zu koordinieren bringen wir zu Stande. Schwieriger ist es, bei diesem Wind für 20 Sekunden ruhig stehen zu bleiben und mit der Stirnlampe in den Himmel zu leuchten. Das warme Abendessen fällt aufgrund des vereisten Kochers aus. Vom Sturm haben wir genug und möchten ausprobieren, ob das Polarmond-Schlafsystem hält, was es verspricht.

Schlafen im Polarmond-System

Der Einstieg ist gar nicht so einfach. Im Vorzelt ist nur wenig Platz neben all den Gegenständen, die ich da schon deponiert habe. Ich krieche hinein und schliesse das Vorzelt mit dem Bändel, da mein Reissverschluss defekt ist. Nun gilt es die nassen Gore-Tex-Kleider auszuziehen und die Unterwäsche trocken zu halten. Das gelingt mir ganz gut. Mit den Füssen voran krieche ich in die Schlafbox und flüchte so vor dem sich ausbreitenden Seeli im Vorzelt. Meine Kleider, das Stativ und die Kamera bringen einiges an Feuchtigkeit ins Zelt. Meinen Rucksack stelle ich als Abschluss für den fehlenden Reissverschluss in den Eingang. In der Schlafbox wird es angenehm warm. Die Innenhandschuhe, das Fleece und die Daunenjacke dürfen zu mir ins Warme, der Rest bleibt draussen. Die kleinen Zeltlampen sind nicht nur zum Zeltausleuchten für Fotozwecke sondern auch zum Hantieren im Zelt sehr praktisch. Ich ordne meine Siebensachen, um morgen früh möglichst effizient aus dem Bett zu kommen, und kuschle mich in meinen Liner. Es fühlt sich sehr angenehm an. Nach kurzer Zeit ist es von Kopf bis Fuss angenehm warm. Ich bin gespannt wie gut ich einschlafen kann und wie oft ich erwachen werde. In meinem Schlafsack, mit dem ich normalerweise unterwegs bin, drehe ich mich oftmals hin und her, bis ich die richtige Schlafposition finde. Mein Islandpulli, verpackt in einem Baumwollanzug dient mir als Kopfkissen. Auf Anhieb finde ich auch heute die richtige Position nicht, aber ich kann mich ganz gut von einer Seite auf die andere drehen. Die Schlafkammer ist fest verankert und bleibt, wo sie ist trotz meinen Bewegungen. Eine angenehme Position für den Kopf zu finden, ist aber nicht so einfach. Entweder ist er an der kalten Luft und mich friert es an den Hals oder ich habe zu wenig Freiheit zum Ein- und Ausatmen. Ich beobachte wie der Wind den Hohlraum zwischen Aussen- und Innenzelt langsam mit Schnee füllt. Das sollte eigentlich nicht geschehen, ist aber nicht tragisch. Nach einiger Zeit schlafe ich ein. Es war ein anstrengender Tag und morgen sollte es wieder früh weiter gehen. Ich erwache vor Mitternacht noch einmal und der Wind rüttelt immer noch am Zelt. Erst als ich um 1:00 Uhr wieder meine Augen öffne, hat sich die Lage beruhigt. Dafür spüre ich die Schneeverwehungen an meinen Füssen, wenn ich mich ausstrecke. Da unten muss sich vor dem Zelt einiges angesammelt haben. Ich habe noch mehr als vier Stunden Schlaf vor mir und geniesse diese in einem Zug, bis mich der Wecker stört.

Aufstehen und Schneeschaufeln

Um 5:30 Uhr folgt der schwierigste Moment. Aus der warmen Schlafkammer zu steigen und in die kalten Kleider zu schlüpfen braucht oft einiges an Überwindung. Im Vorzelt ist alles gefroren, das Thermometer zeigt minus 9° Celsius an. Ich ziehe mein Fleece und die Daunenjacke, welche ich bei mir in der Wärme hatte, wieder an. Danach stecke ich meine Beine in die Gore-Tex Hose. Diese ist etwas steif, aber es klappt ganz gut. Meine Kollegen haben es da schwieriger mit ihren gefütterten Jacken und Hosen. Die Feuchtigkeit, welche diese Kleidungsstücke gestern aufgesaugt haben, ist nun gefroren und macht aus den sonst so angenehmen wärmenden Jacken eisenharte Rüstungen. Die reinen Gore-Tex Jacken und Hosen sind in solchen Momenten von Vorteil. In der dünnen Membran mit Deckmantel kann sich nicht viel Feuchtigkeit festsetzen und somit auch nicht viel gefrieren. Meine Schuhe sind dafür eine etwas grössere Hürde. Auch diese sind gefroren. Nun sind sie so hart wie ein Skischuh und ich komme nur mit Mühe hinein. Irgendwann ist auch das geschafft und ich bin bereit, das schützende Vorzelt zu verlassen. Jetzt steht mir noch eine Schneemauer im Weg. Zum Glück hat sich Tobias schon aus seinem Zelt befreit und hilft mir von aussen, den Schnee wegzuräumen. Nacheinander kriechen auch Sabine und Dani aus ihren Zelten. Es gibt warmen Kaffee und dann geht’s auch schon los zu unserem Morgen-Foto-Spot.

Sonnenaufgang und Nebel

Der Nebel liegt perfekt. Er spannt eine Wattelandschaft vom Fusse des Margelchopfs bis unterhalb des Tristencholbens mit wechselnder Dichte. Der Himmel sieht leider genau so grau aus wie der Nebel. Die Sonne wird es nicht einfach haben da durch zu kommen. Wir freuen uns über das Zusammenspiel von Nebel und Bergen und warten jeweils auf den Moment, an dem uns der Nebel die Bergspitzen zeigt, aber auch genügend verdeckt und so ein spannendes Bild erzeugt. Die Zeit vergeht schnell. Hinter den Wolken ist die Sonne aufgegangen, ohne bis zu uns vorzudringen. Mein Objektiv beschlägt auf der Innenseite, weshalb ich eine Zeit lang nur noch Grau durch den Sucher sehe. Der Nebel ist stetig in Bewegung und verändert sich ständig. Mit der Zeit beginnen unsere Mägen zu knurren und wir beschliessen nach drei Stunden Fotografieren zum Zelt zurückzukehren.

Zeltabbau und Rückkehr

Nun ist Zeit fürs Frühstück. Es gibt warmes Müäsli und Kaffee. Zum ersten Mal koste ich die Müäslimischung von Trek’n Eat. Sie schmeckt fast gleich wie mein selbst gemischtes Frühstücks-Müäsli. Gestärkt packe ich alle meine Gegenstände wieder in den Rucksack und beginne das Zelt abzubauen. Die Schneeanker sind leicht eingefroren und müssen mit der Schaufel ausgegraben werden. Die hätten auch noch wesentlich stärkeren Winden getrotzt. Es gilt nun den Schnee aus allen Ecken und Enden des Zeltes zu schütteln und die einzelnen Teile wieder in die verschiedenen Säcke zu verstauen. Nach dieser ersten Nacht im Polarmond-Schlafsystem kann ich bestätigen, dass man darin sehr gut schlafen kann, und dass es auch bei starkem Wind noch sehr ruhig steht. In zwei Punkten hat es mich bis jetzt noch nicht überzeugt: Es ist sehr eng und bietet nur wenig Platz, um sich vor Wind und Wetter geschützt umzuziehen und die nassen Kleider auszubreiten. Zudem finde ich den Auf- und Abbauprozess etwas umständlich aufgrund der vielen Elemente, die man zusammensetzen muss. Aber das lässt sich mit etwas Übung vielleicht noch optimieren. Bis jetzt habe ich noch keines gekauft. Es bräuchte noch ein, zwei zusätzliche Nächte, um ein besseres Bild zu erhalten. Schon bald sieht man nur noch unsere Spuren im Schnee, der Rest ist eingepackt und wir wandern zurück zur Bergstation Chäserrugg. Vielen Dank dem kompetenten Kursleiter Tobias Ryser und den lieben Kursteilnehmern Sabine und Dani für dieses erlebnisreiche Wochenende.

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