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Um den Grand Teton August 2020

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In vier Tagen umwandere ich den Grand Teton. Die alpine Landschaft erinnert mich stark an die Alpen. Nach einem Tag Gewöhnungszeit an den über 20 kg schweren Rucksack kann ich die Tour auch geniessen.

PK_Tag-Nacht
4

Tage

Temperatur
22°C

Temperatur

Übernachtung

Grizzly und Backcountry Permit

Es ist Freitagmorgen um halb acht und ich verlasse meinen geliebten Platz am Fluss um ein Backcountry Permit für den Grand Teton Nationalpark zu kaufen. Nach 10 Minuten Fahrt stehen die Autos links und rechts am Strassenrand. Ein Grizzly ist von der Strasse aus zu sehen. Etwa 50 Meter entfernt frisst das stattliche Tier Pflanzen und Wurzeln, ganz unbeeindruckt von den vielen aufgeregten Zuschauern. Ich halte natürlich auch an und geniesse den Anblick. Der Bär schleicht gemächlich um einige Bäume und ich wünsche mir, dass er sich aufrichtet und sich den Rücken kratzt. Doch ihm ist nicht danach. Ich fahre weiter zum Colter Bay Visitor Center. An der Autoschlange, die sich aus Zeltplatzanwärtern gebildet hat, darf ich zum Glück vorbei fahren. Doch auch vor dem Permit Schalter hat es schon eine Schlange, obwohl dieser erst in 30 Minuten öffnet. Ich hoffe, dass trotz dieses Ansturms noch einige Plätze für mich frei sind. Im Grand Teton Nationalpark gibt es mehrere Camping Zonen. Nur innerhalb dieser Gebiete ist es erlaubt zu zelten. Pro Gebiet werden jeweils nur eine gewisse Anzahl Permits vergeben. Als ich an der Reihe bin, ist für morgen Samstag nichts mehr verfügbar. Doch im Alaska Basin, welches sich im Caribou-Targhee National Forest befindet, gibt es keine Beschränkung. Ich kann also in diesem Gebiet meine erste Nacht verbringen. Das bedeutet, dass ich meine Tour in der Gegenrichtung, nicht wie geplant, absolvieren werde.

Aufstieg zum Alaska Basin

Viel zu spät verlasse ich den Zeltplatz und kann daher erst um 10:20 am Death Canyon Trailhead loswandern. Der Weg führt durch den Wald am Phelps Lake vorbei den Death Canyon hoch. Es ist heiss, mich drücken Rucksack und Schuhe. Der Spass kommt nicht auf. Vor mir liegen 1'300 Höhenmeter, welche bestiegen werden wollen. Ich beneide die Tageswanderer, welche mit ihrem leichten Rucksack an mir vorbeiziehen. Vor wenigen Tagen, als ich den Huckleberry Mountain bestiegen habe, waren die 1'000 Höhenmeter mit kleinem Rucksack eine Halbtagestour. Doch heute mit Zelt, Schlafsack, Kocher und Essen wird es zu einem strengen Aufstieg. Die Rangerin empfahl mir auch noch den Eispickel und die Steigeisen mitzunehmen, die nun zusätzlich auf meinen Rücken drücken. Den heutigen Tag kann ich nur selten geniessen, obwohl es eine wunderschöne Landschaft ist, mit felsigen steilen Bergen, kalten und vor lauter Gischt weiss schäumenden Bergbächen und vielen Blumen. Am späten Nachmittag erreiche ich den ersten Kamm und kann ins Haupt-Tal des National Parks blicken.
Meine Tour geht noch weiter. Weiter hinauf bis zum Fusse des Static Peak. Den Gipfel hätte ich gerne noch bestiegen. Doch nun ist es zu spät. Auch wenn es nur 200 Höhenmeter wären. Meine im letzten Herbst in Alaska gekauften Bergschuhe drücken mich an der Ferse und an den Zehen. Heute kommen sie mir zu klein vor. Vielleicht sind meine Füsse im heissen Sommer grösser geworden oder der Schuh ist eingegangen. Ich weiss es nicht. Der Wanderweg wird flacher und vor mir verkriecht sich ein fast schwarzes Murmeltier. Ich erreiche die Nationalpark-Grenze. Nun nur noch etwas nach unten zu den schönen Seen und einen Zeltplatz finden. Es ist 1. August, doch Feuer sind hier verboten, darum klebe ich ein kleines Schweizerkreuz mit Tape auf mein rotes Zelt. Rund um die Seen stehen überall Zelte. Es ist eine irrsinnige Landschaft, doch nach einem kurzen Spaziergang lege ich mich müde ins Zelt. Es ist wärmer als im Tal, so kann ich mit offenem Schlafsack einschlafen.

Über den Hurricane Pass in die South Fork Cascade

Mit der Sonne stehe ich auf. Der Himmel ist wolkenlos und ich packe meinen Rucksack im Schatten, weil es mir an der Sonne schon zu warm ist. Heute kommt wie gewohnt der Schlafsack nach unten in den Rucksack und den bärensicheren Lebensmittelcontainer polstere ich mit Kleidern gut gegen den Rücken ab. Gestern hat er mich ungewöhnlich hart ins Kreuz gedrückt. Vorbei an den Seen erreiche ich den Sunset Lake. Seine grüne Farbe sticht einem sofort in die Augen. Nach einer kurzen Rast beginnt der heutige Anstieg zum Hurricane Pass. Durch blühende Wiesen erreiche ich eine baumlose Hochebene. Am Pass angekommen steht man vor den drei Tetons. South, Middle und Grand Teton. Von nun an geht es bergab. Mein Körper hat sich wieder an den schweren Rucksack gewöhnt und auch die Füsse schmerzen nur noch wenig. Die Aussicht ist traumhaft. Wieder einmal eine richtig alpine Landschaft. Oberhalb der Baumgrenze, welche hier fast auf 3'000 m ü. M. liegt, gefällt es mir besonders gut. Vorbei an einem kleinen Gletschersee wird es nach und nach wieder baumreicher. Ich kann die Tour geniessen. Weil ich meine Wunschcampingplätze nicht reservieren konnte, steht mir morgen ein langer Fussmarsch bevor. Daher wandere ich heute bis ans Ende des South Fork Cascade Canyons und baue mein Zelt bei einem der letzten Plätze auf. Neben mir fliesst ein kalter Bergbach vorbei und dahinter geht es steil bergauf bis zum Grand Teton. Nach einigen Schutthalden erstreckt sich der majestätische Felsgipfel 4'199 Meter in den Himmel. In der Abendsonne leuchtet er rot. Ich suche mit dem Feldstecher nach einer möglichen Route. Doch ich glaube der Normalweg führt auf der anderen Seite hoch.

Lake Solitude und Paintbrush Divide

Es ist bewölkt und es fallen sogar einige Regentropfen auf mein Zelt. Das passt schon, dann ist es heute nicht so heiss. Der North Fork Cascade Canyon ist einiges breiter als sein südliches Pendant. Auch hier weicht der Nadelwald bald wieder dem alpinen Gelände. Die Zeltplätze im North Fork Cascade Canyon sind sehr schön gelegen. Etwas offener, das bietet einen super Blick auf den Grand Teton. Mein Kartenstudium war schon richtig, nur leider war diese Campingzone schon voll. Noch vor dem Mittag erreiche ich den Lake Solitude. Er liegt am Ende des Tals umringt von steilen Hängen, welche noch einige Schneefelder beinhalten. Ich gönne mir eine längere Pause und geniesse die Ruhe hier. Lea aus Chicago badet sogar im kalten Bergsee. Sie komme immer wieder hierher. Doch so voll wie dieses Jahr habe sie den Grand Teton noch nie erlebt. Anscheinend sind wirklich alle Amerikaner in den Nationalparks unterwegs. Gegen Mittag kommen immer mehr Tagesgäste und ich mache mich auf zur Paintbrush Divide. Es geht nochmals über 500 Höhenmeter nach oben. Doch der Ausblick vom höchsten Punkt meiner Tour entschädigt mich für alle Strapazen. Mir zu Füssen liegen mehrere Seen und die Gipfel Mount Woodring, The Jaw und der Mount Moran. Wieder gönne ich mir eine Pause und erfreue mich am Panorama. Ein Sonnenaufgang hier oben könnte ein Topshot werden. Doch im Moment sieht es wieder nach einer wolkenlosen Nacht aus. Jegliche Himmelbedeckung vom Morgen hat sich aufgelöst. Ich steige das steilste Stück meiner Tour, die Paintbrush Divide, ab. Auch hier brauche ich meine Eisausrüstung nicht. Die Schneefelder, die es zu queren gilt, sind harmlos. Diese Kilogramms hätte ich mir sparen können. Unterhalb vom Holly Lake hat es noch einen zweiten namenlosen See. In ihm spiegeln sich die Berge noch schöner. Ob hier zelten erlaubt ist, bin ich mir nicht sicher. Auf meiner Karte ist der See in der Upper Paint Brush Canyon Zone. Doch die Tafel, welche den Beginn der Zone markiert, steht erst weiter oben. Mein Permit ist sowieso für die Lower Zone und weil ich morgen einen langen Weg zurück zum Auto vor mir habe, wandere ich lieber heute noch einige Kilometer talwärts.

Zurück zum Auto und zu den wilden Tieren

Meine letzte Backcountry Nacht verbringe ich auf einer schönen Waldlichtung. Ich schaffe es kurz nach acht aufzubrechen und steige in der noch kühlen Morgenluft zum String Lake ab. Entlang dem Jenny Lake berichten mir entgegenkommende Wanderer von einem Bären in der Nähe des Weges. Ich suche gespannt den schmalen Streifen zwischen dem Weg und dem See ab, doch nichts bewegt sich. Nach einer kleinen Pause am See kommt ein junger Mann mit der Kamera in der Hand zum Ufer und meint, der Bär sei nicht weit entfernt. Auch ich greife nach meiner Kamera und schon bald entdecken wir den Schwarzbären zwischen den Bäumen. Wir sind schon ziemlich nahe und ich ziehe mich etwas zurück. Da läuft er auch schon zum See und trinkt einige Schlucke Wasser. Zurück auf dem Weg ist dieser von den Rangern schon gesperrt. Sie leiten einem über den Zeltplatz um. Ein tolles Bild konnte ich nicht machen, dafür waren Gelände und Sonnenstand nicht ideal, doch ich bin trotzdem erfreut, dieses wilde Tier gesehen zu haben. Vom Jenny Lake Visitorcenter führt der kürzeste Weg zu meinem Auto entlang dem Radweg, welcher parallel zur Parkstrasse verläuft. Ich überlege mir, ob ich Autostopp machen soll, und entscheide mich dagegen. In Zeiten von Corona halten sich alle Leute eher auf Distanz. Da sehe ich an der Strasse einen Campervan anhalten und zwei Wanderer mit grossen Rucksäcken steigen ein. Die hatten wohl Glück. Vielleicht sollte ich es doch auch versuchen. Nach etwa 10 Minuten halten drei Jungs mit einem Volvo an. Es stellt sich heraus, dass sie zum Trailhead fahren, wo mein Auto steht, um da ihre Wanderung zu beginnen. Besser hätte ich es nicht erwischen können. Um zwölf stehe ich schon wieder bei meinem Auto. Auf dem Rückweg mache ich einen Halt entlang der Moose – Wilson Road. Auf dem Parkplatz hier sehen alle Besucher verdächtig in eine Richtung. Tatsächlich steht unten in der feuchten Wiese eine Elchkuh. Sie dreht mehrere Runden durch den knietiefen Teich und frisst die Wasserpflanzen. Somit geht meine Tour doch noch tierreich zu Ende und ich freue mich auf das 'Heimkommen' an meinem geliebten Camp drei.
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