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Corvatsch – Eishöhle – Val Roseg 3.3.2018

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Gletscherhöhle, Skitour, Wintercamping und Hochtour unter einen Hut zu bringen ist ein grosses Projekt. Dazu sind wir anfangs März ins Val Roseg losgezogen. Unser Weg führte uns durch Pulverschnee, über Felsbänder und unter das Eis. Nur den angestrebten Gipfel erreichten wir nicht.

Die Suche nach einer Eishöhle

Eines meiner schönsten Erlebnisse letztes Jahr war der Besuch der Gletscherhöhle im Val Roseg. Dieses Jahr wollte ich wenn möglich wieder eine Höhle unter dem Eis besuchen. Laut Auskunft der Bergsteigerschule Pontresina anfangs Dezember war die Gletscherhöhle im Val Roseg dieses Jahr nicht mehr zugänglich oder gar nicht mehr vorhanden. In der Hoffnung eine andere Höhle zu finden habe ich immer Ausschau gehalten und bei meinen Bergsteigerkollegen nachgefragt, ob sie eine zugängliche Eishöhle in der Schweiz kennen. Leider wurde ich nicht fündig. Bis Ende Februar doch wieder Bilder von der Höhle im Val Roseg auftauchten. Für mich war klar, ich will da nochmals hin. Doch eigentlich war schon eine Skitour mit Zeltübernachtung im Toggenburg geplant. Kurzerhand habe ich die Skitour ins Engadin verschoben und ein sehr ambitioniertes Programm zusammengestellt.

Abfahrt vom Corvatsch

6 km

Abfahrt

2h

Fahrzeit

22 hm

Bergauf

1187 hm

Bergab

-10 °C

am Morgen

Steigeisen
1

Kletterstelle

Rucksack
27kg

Rucksack

31km/h

max Abfahrt

Am Samstagmorgen sind wir um 7:00 Uhr in Grabs gestartet, um vier Stunden später bei der Bergstation Corvatschanzukommen. Bei den Ticketpreisen an der Kasse wurde die Freude kurz getrübt. Am Anschlag war die Fahrt mit den beiden Luftseilbahnen auf den höchsten Punkt im Skigebiet mit CHF 30.- für ein Retour-Ticket veranschlagt. An der Kasse wollte die Mitarbeiterin aber CHF 45.- für die einfache Fahrt nach oben von uns. Was die Logik hinter dieser Preispolitik ist, verstehe ich bis heute nicht. Auf dem Gipfel angekommen rüsten wir uns für die Abfahrt abseits der markierten Pisten und sind froh, dass wir nach den ersten 50 Metern den vielen Skifahrern ausweichen können. Einige Spuren führen Richtung Chamanna Coaz SAC. Der Anfang der Skitourenroute 73a. Der Himmel ist leicht bedeckt, aber die Sicht immer noch gut. Wir wagen die Abfahrt ins Ungewisse.
Nach 660 Metern erreichen wir die erste Schlüsselstelle (46°24'50"N 9°49'30"E). Es gilt ein Felsband abzusteigen. Dank den Spuren im Schnee finden wir den Einstieg auf Anhieb. Wir halten uns am angebrachten Fixseil fest und können mit den Skiern an den Füssen das Felsband durchfahren. Weiter geht es über einen offenen Hang, wir versuchen möglichst hoch zu traversieren und erblicken einen Holzstock auf der anderen Seite. Alle Spuren führen daran vorbei über den schönen Pulverschneehang nach unten. Wir peilen auf den Holzstock los und sehen schon bald die kleine gelbe Tafel Coaz-Hütte CAS auf dem nächsten Felsband. Auch hier ist wieder ein Fixseil angebracht. Dieses Mal ist der Abstieg aber fast senkrecht abfallend und führt über schneefreie Felsen (46°24'43" N 9°49'40" E). Wir ziehen die Skier aus und nehmen sie auf die Schulter. Mit einer Hand am Seil tasten wir uns Schritt für Schritt nach unten. Es braucht einen kleinen Balance-Akt, um mit 27 kg Gepäck auf dem Rücken den Skiern auf der linken Schulter und den Skistöcken und dem Seil in der rechten Hand über die Felsen abzusteigen.
Nachdem das geschafft ist, gilt es einen Weg ins Val Roseg zu finden und möglichst alle «steiler als 30° Hänge» zu meiden. Wir kommen gut voran. Obwohl es mit dem schweren Rucksack kein angenehmes Fahren ist. Der Schnee wäre super. Eine leichte Schicht Pulverschnee liegt auf einer härteren Unterlage. Wir traversieren die meisten Hänge Richtung Süden. Nach 90 Minuten kreuzen wir ungefähr die Aufstiegsroute aus dem Val Roseg und wenden uns nach Norden. Die Hänge vor uns sind alle noch unbefahren. Im Tal sehen wir schon den grossen Eisbogen am Ende des zugefrorenen Sees. Wir kontrollieren unseren Standort immer wieder mit dem GPS-Gerät, um die Abfahrtsstelle Richtung Lej da Vadret zu treffen. Es gibt eine Stelle, um über die alte Gletschermoräne hinab zu fahren, ohne auf 40° Hänge zu treffen. Wir finden einen ungefährlichen Weg nach unten, traversieren die Uferhänge des Sees möglichst hoch, um bis fast vor die Höhle zu fahren. Nur noch die letzten Meter gilt es aufzusteigen und wir stehen vor einem grossen Bogen aus Eis. Eine Gruppe Schneeschuhläufer, welche im Hotel Roseg startete, ist auch noch zur Stelle. Wir deponieren unsere schweren Rucksäcke und geniessen den Anblick des sehr vergänglichen Eises.

Eishöhle Val Roseg

Unter dem Eisbogen essen wir unsere Brote und deponieren das Übernachtungsmaterial im Schnee. Mit leichterem Gepäck steigen wir zur oberen Eishöhle auf. Sie liegt etwas 15 Minuten weiter oben. Durch einen schmalen Durchgang gelangt man in eine kleine Halle. Von da trennt sich die Höhle in zwei Tunnels auf. Der rechte ist faszinierend. Am Boden befindet sich nicht ein trockenes Bachbett wie sonst üblich, sondern ein gefrorener Bach aus vielen kleinen Eisstufen. Im hinteren Teil wird es immer dunkler. Wir gehen auf Entdeckungsreise und finden hübsche Eiskristalle an der Decke. Nach über einer Stunde sind wir alleine in der Höhle und ich kann ungestört fotografieren. Für diesen Fall habe ich einige kleine Kerzen mitgebracht. Ich denke, es könnten spannende Bilder entstehen, wenn ich die brennenden Kerzen im blauen Eis verteile. Schon bald ist ein Teil der Höhle mit vielen kleinen Flammen beleuchtet. Mir gefällt der Gegensatz von Feuer und Eis. Nach über zwei Stunden unter dem Eis wird uns langsam kalt und wir machen uns auf den Rückweg.

Übernachtung unter dem Eis

Zu unserer Überraschung sind wir unter dem grossen Eisbogen nicht alleine. Zwei weitere Besucher sind von Pontresina hier hoch gestiegen und werden auch hier übernachten. Wir geniessen unser Abendessen und stellen das Zelt direkt unter dem grossen Eisbogen auf. Ich mache noch einige Fotos und verkrieche mich anschliessend im Zelt. Zu Beginn haben wir sogar noch plus Grade im Innenzelt. Wirklich kalt soll es erst gegen den Morgen werden. Ich schlafe ziemlich rasch ein und erwache nur einmal in der Nacht. Am Morgen zeigt das Thermometer dann doch noch Minus 10°C an. Die Skischuhe sind noch etwas kühl, aber das wird schon noch.

Skitour bis fast auf den Il Chapütschin

18 km

Tourlänge

6h

Fahrzeit

586 hm

Bergauf

1027 hm

Bergab

Wir packen alles zusammen und deponieren das Übernachtungsmaterial nochmals am Fuss des grossen Eisbogens. Mit den Tourenski an den Füssen und Steigeisen und Pickel im Rucksack steigen wir den gleichen Weg wieder auf, welchen wir gestern hinunter gefahren sind. Der ursprüngliche Plan war der Il Chapütschin 3'387 m. ü. M. Schon bald merken wir aber, daraus wird nichts. Wir hätten dafür viel früher starten müssen und den gesamten Aufstieg zu spuren kostet sehr viel Kraft. Wir einigen uns, um 13:00 Uhr umzukehren. Bis dann geniessen wir bei herrlichem Sonnenschein das wunderbare Bergpanorama und steigen so weit auf wie wir kommen. Mit der Sonne wird der Schnee etwas schwerer und ist nicht mehr ganz so pulverig wie gestern. Dafür ist es ein traumhafter Tag. Rund um uns herum nur verschneite Berge und wenn wir uns nicht bewegen ist es mucksmäuschenstill. Nach dem Mittag stehen wir unterhalb eines Felsbandes auf über 2'700 m. ü. M. und beschliessen von hier aus unsere Abfahrt zu starten. Mit dem fast leeren Rucksack macht es heute viel mehr Spass als gestern. Wir ziehen unsere Spuren durch die jungfräulichen Hänge. Viel zu schnell erreichen wir den Talboden und stehen wieder vor der Höhle.

Im Langlaufstil nach Pontresina

Nun gilt es, das deponierte Gepäck wieder auf die Schultern zu laden und den langen Heimweg anzutreten. Die ersten beiden Kilometer über den Lej da Vadret bringen wir schnell hinter uns. Nach einer kleinen Abfahrt bis Vscha da Samedan gelangen wir auf die Langlaufloipe. Wir nutzen unsere Tourenbindungen im Langlaufstil, aber der Rucksack drückt gewaltig auf die Schultern und die Sonne brennt vom Himmel. Vorbei am Hotel Roseg weist der Weg wieder mehr Gefälle auf. Immer wieder können wir uns etwas ausruhen und nach unten gleiten. Nur ganz am Schluss wird es nochmals stressig. Wir stehen kurz vor dem Bahnhof und unser Zug fährt in 3 Minuten ab. Schnell die Skier abziehen und auf die Schultern laden. Im letzten Moment springen wir in den überfüllten Wagen und fahren zurück ins Unterland.

1 Comment

  1. Elias, thank you for this post. Its very inspiring.

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