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Schnee- und Windtest 20.1.18

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Anstelle von schönen Sonnenauf- und Untergängen erwartet mich dieses Wochenende Wind und Schnee. Ideale Bedingungen, um mein Zelt unter den härtesten Wetterbedingungen zu testen.

Freitag Abend, es ist bewölkt und nass. Ich komme zuhause an und stelle mich auf ein Wochenende in der warmen Stube ein. Eigentlich wäre ich doch so gerne mit dem Zelt los gezogen um die schöne Winterlandschaft zu fotografieren. Doch in dieser Nebelsuppe macht es keinen Spass. Die Webcam vom Säntis zeigt auch nur ein graues Bild. Es lohnt sich nicht mal in die Höhe zu gehen um dem Wetter zu entfliehen. Ich konsultiere nochmals den Wetterbericht für die Nacht vom Samstag auf den Sonntag. Es soll ziemlich viel Schnee geben. Das ist doch eine Alternative. Mal schauen, wie viel Schnee mein Zelt aushält

Zeltaufbau

Am Samstagmittag fahre ich mit dem Postauto nach Alt St. Johann und mit der Gondelbahn in die Selamatt. Dem Winterwanderweg entlang suche ich nach einem Zeltplatz. Nach einer Stunde habe ich eine flache Stelle mit genügend Abstand zu den umliegenden Bäumen gefunden. Fast eine Stunde später steht mein Zelt. In der grossen Apside schaufle ich ein 60 cm tiefes Loch in den Schnee. So kann ich fast aufrecht stehen und ganz bequem ins Innenzelt sitzen mit den Füssen im Vorzelt. Diesen Trick habe ich in einer Antarkis Dokumentation von Michael Martin gesehen. Was in der Antarktis funktioniert, funktioniert auch im Toggenburg. Im Zelt beginne ich Schnee zu schmelzen und warte bis das Wasser kocht, um damit mein Abendessen zuzubereiten. Heute gibt es «Deftiger Kartoffeltopf mit Rind und Bohnen». Eine riesige Portion. Wenn man nicht den ganzen Tag unterwegs war sind diese Trek’N Eat Mahlzeiten ganz gut bemessen. Ich freue mich über die warme Mahlzeit und mache es mir anschliessend im Schlafsack gemütlich. Zum Glück ist es nicht sehr kalt, im Zelt immer eins bis zwei Grad plus. So lässt sich auch noch ein Buch lesen ohne an die Hände zu frieren. In meinem Fall «Lied der Wildnis» von Gary Paulsen. Eine Erzählung über das Leben mit Schlittenhunden im Amerikanischen Minnesota. Es passt perferkt zum Schneegestöber draussen. Die Erzählungen von Hundeschlitten, Wölfen und Hirschen fesslen mich so sehr, dass ich lange nicht merke wie der aufziehende Sturm mein Zelt deformiert. Doch jede starke Windböe drückt die Zeltwand etwa 50cm nach innen.

Schneemauer

Laut Wetterbericht ist es erst der Anfang mit Wind um die 30 km/h. In zwei Stunden soll er mit 60 bis 70 km/h durchs Toggenburg fegen. Wenn ich meine Zeltwand beobachte habe ich ein ungutes Gefühl. Sofern sich das Zelt die ganze Nacht so bewegt sehe ich keine Chance für mich einzuschlafen. Ich ziehe meine Skihose und Jacke wieder an und schlüpfe in die kalten Schuhe. Nun bin ich froh über meine heizbaren Socken, dies ist der Moment sie zu testen! Ich stapfe durch den frischen Pulverschnee ums Zelt herum und sehe drei lose Zeltleinen. Der Wind hat die Heringe ausgerissen bevor sie im Schnee einfroren. Da keine tiefen minus Temperaturen zu erwarten sind und ich keine Schneeheringe habe muss ich mir anders helfen. An die Enden der drei meist belasteten Leinen spanne ich nun meine beiden Schneeschuhe und einen Skistock. Diese vergrabe ich im festeren Altschnee. Das Zelt steht schon viel stabiler. Aber werden die Stangen und Leinenverankerungen auch halten? Ich erinnere mich wieder an die Antarktis-Doku. Michael Martin hat um das Zelt eine Schneemauer gebaut um sich vor dem kommenden Sturm zu schützen. Zurück im Zelt hole ich meine Lawinenschaufel und mache mich an die Arbeit. Die obersten 20cm Neuschnee sind kaum zu gebrauchen sie verfliegen im Wind in alle Richtungen. Darunter kommt eine ältere festere Schneeschicht zum Vorschein. Sie eignet sich ideal um eine Mauer aufzuschütten. Langsam entsteht um die ganze Westseite meines Zeltes eine stabile Schneemauer. Es ist anstrengend aber mir wird warm dabei. Die Mauer ist nun fast einen Meter hoch und das Zelt dahinter flattert kaum noch im Wind. Das sollte reichen. Ich ziehe mich zurück. Meine Jacke und Hose sind aussen komplett nass. Aus dem Stativ und meinem zweiten Wanderstock bau ich mir eine Wäscheleine im Vorzelt. Nun bin ich beruhigt und kann mich wieder den Geschichten von Gary Paulsen widmen. Bis nach Mitternacht lese ich im Buch. Das Zelt steht immer noch stabil. Stärker sollte der Wind gemäss Wetterprognose nicht werden. Ich versuche einzuschlafen. Wie lange es dauert bis ich einschlafe weiss ich auch nicht. Ich drehe mich hin und her und überlege ob es möglich wäre, dass die gesamte Schneewand umstürzt und auf mein Zelt fällt. Aber daran glaube ich nicht, die wird schon halten. Die Nacht verläuft verhältnismässig ruhig. Ich erwache einige Male, drehe mich um und schlafe wieder ein.

Zelt ausgraben

Um 8:00 Uhr klingelt der Wecker und ich fühle mich ziemlich erholt. Gefroren hatte ich die ganze Nacht nie. Draussen ist es hell und ich sehe das Ausmass des Schneefalls über Nacht. Mein Zelt ist mehr als zur Hälfte eingeschneit. Das Abbauen wird sicher anstrengend, denke ich mir und ich beginne wieder mit dem schmelzen von Schnee für mein Frühstücks Müäsli. Es schneit noch immer aber ich mag nicht abwarten. Ich packe zusammen und begutachte mein Zelt von Aussen. Es ist rund herum eingeschneit, nur noch das obere Drittel ist sichtbar. Behutsam grabe ich alle Leinen aus um die Heringe wieder einzusammeln. Die ganze Mauer, die ich gestern aufgeschüttet habe muss nun wieder abgetragen werden, um die Schneeschuhe auszugraben. Der Zwischenraum zum Zelt hat sich komplett mit Schnee gefüllt. Nach 45 Minuten sind alle Heringe gefunden und das Zelt ist ausgegraben. Alles kommt wieder zurück in den Rucksack und schon bald ist von meinem Ausflug nichts mehr zu sehen als ein paar Schneehaufen mitten in der Wiese.

4 Comments

  1. Bei deinem Bericht musste ich ein paarmal Schmunzeln!!! du schreibst wirklich gute Berichte und lässt teilhaben an Erlebnis und Gedanken! Da gucke ich gerne wiedermal rein!!! Also weiter so …

  2. cris sagt:

    Wow Du bist super…ich wäre gestorben…mit +1°C ist mir sehr kalt…ich bewundere Dich total 🙂

    • Elias sagt:

      Vielen Dank
      Ich musste mich auch langsam an solche Verhältnisse herantasten. Mit der Zeit geht es immer besser. Man lernt aus den Fehler und optimiert die Abläufe und seine eigene Ausrüstung immer weiter.
      Liebe Grüsse
      Elias

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